{"id":1185,"date":"2025-08-28T15:08:37","date_gmt":"2025-08-28T13:08:37","guid":{"rendered":"https:\/\/mypapergate.net\/?page_id=1185"},"modified":"2026-06-12T19:48:14","modified_gmt":"2026-06-12T17:48:14","slug":"gesprach-mit-hans-kung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/projekt-sinnsuche-42\/gesprach-mit-hans-kung\/","title":{"rendered":"Mein Gespr\u00e4ch mit Hans K\u00fcng"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\r\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis: 100%;\"><!-- Seite: Gespr\u00e4ch mit Hans K\u00fcng (Content-Only) -->\r\n<h6>Bild von Hans Grohe \/ Stiftung Weltethos <a href=\"https:\/\/kath.de\/kommentar\/2021-04-09-weltethos-fuer-millennials-zum-tode-hans-kuengs\">https:\/\/kath.de\/kommentar\/2021-04-09-weltethos-fuer-millennials-zum-tode-hans-kuengs<\/a><\/h6>\r\n<p>Im FutureLab auf dem Zauberberg 2.0 begegne ich Hans K\u00fcng. Die kalte, klare Luft der Schweizer Alpen liegt noch um uns, w\u00e4hrend wir im imagin\u00e4ren Resonanzraum des Magic Mountain Institute Platz nehmen. K\u00fcng tritt mir nicht als Dogmatiker, sondern als Lehrer gegen\u00fcber \u2013 einer, der die Sprache der Religion mit der Sprache des Humanismus zu verbinden suchte.<\/p>\r\n<h3>Hans K\u00fcng \u2013 Biographischer Hintergrund<\/h3>\r\n<p>Hans K\u00fcng (1928\u20132021) war einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhunderts. Geboren in der Schweiz, studierte er Theologie in Rom und in Paris, bevor er in den 1960er Jahren eine Professur in T\u00fcbingen annahm. K\u00fcng geh\u00f6rte zu den pr\u00e4genden Stimmen des Zweiten Vatikanischen Konzils, wo er f\u00fcr eine \u00d6ffnung der Kirche zur modernen Welt eintrat.<\/p>\r\n<p>Eine besondere historische Konstellation: In T\u00fcbingen lehrten zugleich K\u00fcng und Joseph Ratzinger, der sp\u00e4tere Papst Benedikt XVI. Beide verband zun\u00e4chst gegenseitige Achtung \u2013 und eine \u00e4hnliche Herkunft aus der katholischen Theologie. Doch bald traten die Gegens\u00e4tze offen zutage: K\u00fcng stellte das kirchliche Lehramt unter den Pr\u00fcfstein des Evangeliums, Ratzinger verteidigte das Dogma als verbindliche Autorit\u00e4t.<\/p>\r\n<p>Legend\u00e4r ist die Auseinandersetzung zwischen den beiden: F\u00fcr K\u00fcng war die Kirche nur dann glaubw\u00fcrdig, wenn sie sich am Evangelium, an der Botschaft Jesu und an der Humanit\u00e4t orientierte. F\u00fcr Ratzinger dagegen blieb die dogmatische Einheit der Kirche unverzichtbar. Der Konflikt eskalierte in den 1970er Jahren, als K\u00fcng die Unfehlbarkeit des Papstes \u00f6ffentlich kritisierte. Das f\u00fchrte 1979 zu seiner <strong>Entlassung aus der katholischen Lehrbefugnis<\/strong> \u2013 ein Schritt, der international Aufsehen erregte. K\u00fcng blieb dennoch Professor in T\u00fcbingen, nunmehr auf einem \u00f6kumenischen Lehrstuhl, und wirkte als unerm\u00fcdlicher Denker, Buchautor und Vermittler.<\/p>\r\n<p>Mit seinem Projekt eines <strong>\u201eWeltethos\u201c<\/strong> trat er f\u00fcr eine gemeinsame Basis aller Religionen und Kulturen ein: keine absolute Wahrheit gegen den Menschen, sondern ein gemeinsames Ethos f\u00fcr Frieden, Gerechtigkeit und Menschenw\u00fcrde. Sein Name steht bis heute f\u00fcr einen kritischen Katholizismus, der Humanit\u00e4t \u00fcber kirchliche Machtstrukturen stellt.<\/p>\r\n<h3>Das fiktive Gespr\u00e4ch<\/h3>\r\n<p><strong>Meine Frage:<\/strong> Buddha war ein Lehrer und hat doch Milliarden Menschen geholfen. Was bedeutet das f\u00fcr uns heute, mit anderen kulturellen Hintergr\u00fcnden?<\/p>\r\n<p><strong>K\u00fcng:<\/strong> Buddha war ein Lehrer, kein Herrscher, kein Dogmatiker. Darin liegt seine Kraft: eine Praxis, die Leid ernstnimmt und \u00dcberwindung sucht. F\u00fcr uns im Westen hei\u00dft das: Religion muss Lehrerfahrung sein, nicht Machtsystem.<\/p>\r\n<p><strong>Meine Frage:<\/strong> Ich habe ambivalente Gef\u00fchle gegen\u00fcber der Kirche \u2013 sie hat \u00fcber Jahrhunderte mit Gewalt Macht verteidigt. Wie kann ein Humanist wie ich dazu stehen?<\/p>\r\n<p><strong>K\u00fcng:<\/strong> Diese Ambivalenz teile ich. Kirche kann zerst\u00f6rerisch sein, wenn sie Macht sch\u00fctzt statt Wahrheit. Doch das Christentum ist gr\u00f6\u00dfer als die Kirche \u2013 sein Pr\u00fcfstein bleibt das Evangelium, nicht das System. Ein Humanist muss kritisieren d\u00fcrfen und gleichzeitig die befreiende Botschaft sehen.<\/p>\r\n<p><strong>Meine Frage:<\/strong> Goethe stellte Gretchen die Frage: \u201eWie h\u00e4ltst du es mit der Religion?\u201c Was antworten Sie darauf heute?<\/p>\r\n<p><strong>K\u00fcng:<\/strong> Ich w\u00fcrde antworten: Religion ist nur wahr, wenn sie Humanit\u00e4t f\u00f6rdert. Darum habe ich immer f\u00fcr ein Weltethos gestritten: keine Wahrheit gegen den Menschen, sondern f\u00fcr ihn.<\/p>\r\n<p><strong>Meine Frage:<\/strong> Voltaire sagte: \u201eW\u00e4re Gott nicht vorhanden, m\u00fcsste man ihn erfinden.\u201c Und f\u00fcr mich, aus der deutschen Geschichte, bleibt das Grundgesetz die beste ethische Basis. Wie sehen Sie das?<\/p>\r\n<p><strong>K\u00fcng:<\/strong> Voltaire provoziert. Der Gott der Philosophen ist ein Gedanke, aber f\u00fcr viele auch eine Hoffnung. Doch entscheidend ist: Wir brauchen Normen, die das Leben sch\u00fctzen. Das Grundgesetz ist ein Gl\u00fccksfall \u2013 ein s\u00e4kulares Ethos, das religi\u00f6se und nicht-religi\u00f6se Menschen gemeinsam tragen k\u00f6nnen. Das ist auch mein Weltethos: Menschlichkeit als letzte Instanz.<\/p>\r\n<p><strong>Ich:<\/strong> Herr K\u00fcng, ich folge Ihrer Auffassung, dass Jesus in erster Linie ein Lehrer war \u2013 so wie Buddha. Das Evangelium erscheint mir dabei als eine Art ethische Grundlage f\u00fcr Humanismus: nicht Dogma, sondern Orientierung. In dieser Lesart kann das Christentum ein Lehrer f\u00fcr Humanit\u00e4t sein, ohne Machtanspruch.<\/p>\r\n<p><strong>K\u00fcng:<\/strong> Ja, genau darin liegt die Zukunft der Religion: nicht in der Verteidigung alter Macht, sondern in der F\u00e4higkeit, zu lehren, zu inspirieren, zum Menschsein zu bef\u00e4higen. Wenn Religion das verliert, verliert sie sich selbst.<\/p>\r\n<h3>Weiterf\u00fchrend<\/h3>\r\n<p>Aus diesem Gespr\u00e4ch erw\u00e4chst die n\u00e4chste Frage: Wie halten es die Religionen mit der Wahrheit? \u2192 <a href=\"\/en\/futurelab\/fuenf-weltreligionen-essay\/\">Zum Essay: Die f\u00fcnf Weltreligionen \u2013 Wahrheit als Weg<\/a><\/p>\r\n<p><a href=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/projekt-sinnsuche-42\/die-funf-weltreligionen-wahrheit-als-weg\/\">https:\/\/mypapergate.net\/projekt-sinnsuche-42\/die-funf-weltreligionen-wahrheit-als-weg\/<\/a> <\/p>\r\n<\/div>\r\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bild von Hans Grohe \/ Stiftung Weltethos <a href=\"https:\/\/kath.de\/kommentar\/2021-04-09-weltethos-fuer-millennials-zum-tode-hans-kuengs\" rel=\"nofollow\">https:\/\/kath.de\/kommentar\/2021-04-09-weltethos-fuer-millennials-zum-tode-hans-kuengs<\/a> Im FutureLab auf dem Zauberberg 2.0 begegne ich Hans K\u00fcng. Die kalte, klare Luft der Schweizer Alpen liegt noch um uns, w\u00e4hrend wir im imagin\u00e4ren Resonanzraum des Magic Mountain Institute Platz nehmen. K\u00fcng tritt mir nicht als Dogmatiker, sondern als Lehrer gegen\u00fcber \u2013 einer, der die Sprache [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":269358233,"featured_media":1199,"parent":1181,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_seo_schema_type":"","_wpcom_ai_launchpad_about_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_gallery_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_contact_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_events_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_video_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_portfolio_piece":false,"footnotes":""},"class_list":["post-1185","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_likes_enabled":true,"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/PgI6ye-j7","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/269358233"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1185"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1185\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6816,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1185\/revisions\/6816"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1181"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1199"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}