{"id":1241,"date":"2025-08-29T13:12:08","date_gmt":"2025-08-29T11:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/mypapergate.net\/?page_id=1241"},"modified":"2026-01-14T17:12:41","modified_gmt":"2026-01-14T16:12:41","slug":"hommage-an-gutenberg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/hommage-an-gutenberg\/","title":{"rendered":"Hommage an Gutenberg"},"content":{"rendered":"<figcaption>\n  Aufgeschlagenes Exemplar der <strong>42-zeiligen Gutenberg-Bibel<\/strong> (ca. 1454\/55). \n  Sie gilt als das erste in Europa mit beweglichen Lettern gedruckte Gro\u00dfbuch. \n  Der Name \u201e42-zeilig\u201c verweist auf das Seitenlayout: \n  Jede Spalte umfasst <strong>42 Zeilen<\/strong> \u2013 ein Ergebnis von Gutenbergs Experimenten mit Schriftgr\u00f6\u00dfe und Zeilenabstand, \n  das die Herstellung kosteng\u00fcnstiger und zugleich \u00e4sthetisch ausgewogener machte. Gedruckt in Mainz, sp\u00e4ter von Hand koloriert und illuminiert. \n      Jede Ausgabe ist ein Unikat \u2013 eine Verbindung von Technik und Buchkunst.\n<\/figcaption>\n\n\n\n<section id=\"hommage-gutenberg\" lang=\"de\">\n\n  <h2>\u201eIm Anfang war das Wort\u201c \u2013 Johannes Gutenberg<\/h2>\n\n  <p>\n    Johannes Gutenberg (um 1400\u20131468) gilt als einer der ersten abendl\u00e4ndischen Erfinder,\n    die namentlich bekannt sind. Die einzelnen Phasen seiner bahnbrechenden Entdeckung,\n    des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, bleiben im Dunkel. Pl\u00f6tzlich stand sie da \u2013\n    vollendet wie Pallas Athene aus dem Haupte des Zeus.\n  <\/p>\n\n  <p>\n    Gutenberg, ein Patrizier aus Mainz, wurde zum Handwerker, weil er nicht nur eine technische\n    Vision hatte, sondern auch Gewinnstrebens wegen. Er wollte sch\u00f6ne B\u00fccher drucken, um reich\n    zu werden. Sein Meisterwerk ist die <strong>42-zeilige Bibel<\/strong>.\n    Zynische Kulturhistoriker bemerkten dazu mit Blick auf das Johannesevangelium:\n    \u201eIm Anfang war das Geld.\u201c \u2013 Dabei konnte Gutenberg nicht ahnen, dass er arm sterben w\u00fcrde.\n  <\/p>\n\n  <h2>Die \u201eSchwarze Kunst\u201c<\/h2>\n\n  <p>\n    Die Erfindung der Buchdruckerkunst wurde anfangs keineswegs von allen begr\u00fc\u00dft.\n    F\u00fcrsten wie die Medici oder Herzog Federigo von Montefeltre r\u00fchmten sich, keine gedruckten B\u00fccher\n    zu besitzen, denn ihr Sinn stand nach Handschriften. Doch auch sie konnten den Siegeszug der neuen\n    Kunst nicht aufhalten: Die Welt war bildungshungrig.\n  <\/p>\n\n  <p>\n    Humanisten hofften, durch die Ver\u00f6ffentlichung antiker Autoren einen Abglanz von deren Ruhm auf sich\n    zu lenken. Antiker und abendl\u00e4ndischer Geist verbanden sich und legten den Grundstein f\u00fcr neue Wissenschaften\n    wie Philologie und Textkritik.\n  <\/p>\n\n  <figure>\n    <img decoding=\"async\" src=\"bilder\/inkunabel.jpg\" alt=\"Fr\u00fche Inkunabel mit handkolorierten Initialen, \u00dcbergang von Handschrift zum Buchdruck\" loading=\"lazy\">\n    <figcaption>\n      <strong>Inkunabel<\/strong> \u2013 fr\u00fches Druckwerk vor 1500, hier mit von Hand kolorierten Initialen.\n      Diese sogenannten \u201eWiegen-Drucke\u201c zeigen noch deutlich den \u00dcbergang von der Handschrift\n      zum gedruckten Buch.\n    <\/figcaption>\n  <\/figure>\n\n  <h2>Peter Sch\u00f6ffer \u2013 Gutenbergs Sch\u00fcler<\/h2>\n\n  <p>\n    Nach dem Bruch zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johann Fust f\u00fchrte dessen Schwiegersohn\n    <strong>Peter Sch\u00f6ffer von Gernsheim<\/strong> die Druckerei weiter. Sch\u00f6ffer war urspr\u00fcnglich\n    Kalligraph in Paris, dann Mitarbeiter Gutenbergs. Er verband technische Pr\u00e4zision mit\n    \u00e4sthetischem Anspruch und wurde zu einem der wichtigsten Verleger der Fr\u00fchdruckzeit.\n  <\/p>\n\n  <!-- KORRIGIERT: Sch\u00f6ffer-Druck (extern) geh\u00f6rt hierher -->\n  <figure>\n    <img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/inkunabel-schoeffer-e1768403327164.jpg?ssl=1\" alt=\"Seite aus einem fr\u00fchen Druck von Peter Sch\u00f6ffer, Beispiel f\u00fcr die Buchkunst der Fr\u00fchdruckzeit\" loading=\"lazy\">\n    <figcaption>\n      <strong>Fr\u00fchdruck aus der Werkstatt Peter Sch\u00f6ffers<\/strong> \u2013 Beispiel f\u00fcr die Verbindung von\n      typografischer Pr\u00e4zision und buchk\u00fcnstlerischem Anspruch in der Mainzer Fr\u00fchdruckzeit.\n    <\/figcaption>\n  <\/figure>\n\n  <figure>\n    <img decoding=\"async\" src=\"bilder\/mainzer-psalter.jpg\" alt=\"Seite aus dem Mainzer Psalter von 1457 mit farbig gedruckten Initialen\" loading=\"lazy\">\n    <figcaption>\n      <strong>Mainzer Psalter (1457)<\/strong>, gedruckt von Peter Sch\u00f6ffer.\n      Das erste datierte Buch mit farbig gedruckten Initialen \u2013 ein Meilenstein der Typografie\n      und der fr\u00fchen Buchkunst.\n    <\/figcaption>\n  <\/figure>\n\n  <p>\n    Kaum war die Technik verfeinert, begann sie zu wirken \u2013 nicht nur religi\u00f6s und \u00e4sthetisch,\n    sondern zunehmend auch politisch.\n  <\/p>\n\n  <h2>Der T\u00fcrkenkalender (1455)<\/h2>\n\n  <!-- KORRIGIERT: T\u00fcrkenkalender-Bild (extern) geh\u00f6rt hierher -->\n  <figure>\n    <img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/tuerkenkalender-2-e1768403058134.jpg?ssl=1\" alt=\"Seite aus dem T\u00fcrkenkalender von 1455, fr\u00fches politisches Druckerzeugnis nach Gutenberg\" loading=\"lazy\">\n    <figcaption>\n      <strong>Der T\u00fcrkenkalender (1455)<\/strong> \u2013 fr\u00fches gedrucktes Reimgedicht mit Kalenderfunktion.\n      Politischer Gebrauchsdruck nach der Eroberung Konstantinopels (1453).\n      Das Werk gilt als das erste sicher datierte Druckerzeugnis der Nach-Gutenberg-Zeit\n      und ist heute nur in einem Exemplar erhalten.\n    <\/figcaption>\n  <\/figure>\n\n \n \n<\/section>\n\n\n\n<figure>\n  <img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/tuerkenkalender-cover-e1768404696595.jpg?ssl=1\" alt=\"Umschlag des T\u00fcrkenkalenders von 1455 mit dem Titel \u00bbEyn manung der cristenheit widder die durken\u00ab\" loading=\"lazy\">\n  <figcaption>\n    <strong>\u201eEyn manung der cristenheit widder die durken\u201c<\/strong> \u2013 Umschlag des T\u00fcrkenkalenders (1455)\n  <\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n<p>\nUnter dem Titel <em>\u201eEyn manung der cristenheit widder die durken\u201c<\/em> entstand in der Offizin\n(Druckwerkstatt) Johannes Gutenbergs (1400\u20131468) das heute \u00e4lteste, unikale und vollst\u00e4ndig\nerhaltene, mit beweglichen Lettern gedruckte Werk. Es handelt sich um eine politisch-religi\u00f6se\nPropaganda-Flugschrift in deutschen Versen.\n<\/p>\n\n<p>\nDer Text entstand vor dem Hintergrund der Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453 durch die\nt\u00fcrkischen Streitm\u00e4chte unter Sultan Mehmed II. (1432\u20131481) und des darauffolgenden Vormarsches\nin Ost- und S\u00fcdosteuropa. Er richtet sich als Aufruf an die europ\u00e4ischen Machthaber zur\nVerteidigung der Christenheit.\n<\/p>\n\n<p>\nF\u00fcr den Druck verwendete Gutenberg die sogenannte <strong>Donat-Kalender-Type<\/strong>.\nIm Mittelteil wird in der kalendarischen Abfolge der zw\u00f6lf Monate jeweils ein geistlicher oder\nweltlicher F\u00fcrst zum Widerstand gegen die T\u00fcrken aufgerufen. Die Rahmenverse bestehen aus\nGebeten um Beistand im Kampf gegen die Osmanen und enthalten kalender\u00fcbliche Angaben zum Jahr\n1455.\n<\/p>\n\n<p>\nDie abschlie\u00dfenden Dezember-Verse enthalten eine aktuelle Erfolgsmeldung aus Rom zu den\nKriegsereignissen, die erst am 6. Dezember 1454 in Frankfurt eintraf. Das Werk endet mit einem\nNeujahrswunsch auf das Jahr 1455, das der damaligen Zeitrechnung entsprechend in Mainz am ersten\nWeihnachtstag begann.\n<\/p>\n\n<p>\nDas hier erhaltene Exemplar befand sich urspr\u00fcnglich im Besitz des Humanisten\n<strong>Konrad Peutinger<\/strong> (1465\u20131547) und wurde 1806 von Bernhard Joseph Docen in den\nBest\u00e4nden des Jesuitenkollegs Augsburg wiederentdeckt.\n<\/p>\n\n<p>\n<small>\nQuelle: Bayerische Staatsbibliothek, Abteilung Handschriften und Alte Drucke (2019)\n<\/small>\n<\/p>\n\n\n\n<footer>\n    <p>\n      <em>\n        Die 42-zeilige Bibel, die Inkunabeln, Sch\u00f6ffers Drucke und der T\u00fcrkenkalender markieren\n        die Geburt einer neuen Epoche: die Zeit, in der Worte fliegen lernten.\n        Johannes Gutenberg schenkte Europa die Schwarze Kunst \u2013 und uns das moderne Lesen.\n      <\/em>\n    <\/p>\n  <\/footer>\n\n\n\n\n\n<figure id=\"futurelab-gutenberg\">\n  <img data-recalc-dims=\"1\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/johannes-gutenberg-e1756489335848.jpg?ssl=1\" alt=\"Johannes Gutenberg im FutureLab Interview\">\n  <figcaption>\n    Johannes Gutenberg im <strong>FutureLab-Interview<\/strong> \u2013 \n    der Erfinder der Druckkunst im Gespr\u00e4ch mit der Gegenwart.\n  <\/figcaption>\n<\/figure>\n\n\n\n<section id=\"futurelab-gutenberg\" lang=\"de\">\n  <h2>FutureLab \u2013 Gespr\u00e4ch mit Johannes Gutenberg<\/h2>\n  <p><em>Ein imagin\u00e4res Gespr\u00e4ch im FutureLab. Gutenberg tritt aus den Schatten seiner Werkstatt in Mainz \n  und blickt mit uns in die Zukunft der Kommunikation.<\/em><\/p>\n\n  <p><strong>Frage:<\/strong> Meister Gutenberg, Sie haben mit Ihrer Kunst die Welt ver\u00e4ndert. \n  Wie sehen Sie den Einfluss Ihrer Erfindung heute?<\/p>\n  <p><strong>Gutenberg:<\/strong> Ich war ein Handwerker, kein Prophet. \n  Ich wollte nur, dass Gedanken nicht in Kl\u00f6stern gefangen bleiben, sondern zu vielen gelangen. \n  Dass man mich \u201eBegr\u00fcnder der Zivilisation\u201c nennt, erf\u00fcllt mich mit Staunen. \n  Meine Presse war ein Werkzeug \u2013 die Revolution kam von den Menschen, die sie nutzten.<\/p>\n\n  <p><strong>Frage:<\/strong> Heute leben wir in einer Zeit der elektronischen Kommunikation \u2013 \n  Worte wandern in Lichtgeschwindigkeit \u00fcber Bildschirme, Netze, in die Taschen von Milliarden. \n  Erkennen Sie darin Ihr eigenes Erbe?<\/p>\n  <p><strong>Gutenberg:<\/strong> Jede Epoche hat ihr Werkzeug. \n  Meine Lettern waren aus Metall, die euren aus Einsen und Nullen. \n  Doch das Ziel bleibt dasselbe: \n  die Stimme des Einzelnen h\u00f6rbar machen, Gedanken teilen, Wissen vermehren. \n  Die Gefahr ist dieselbe geblieben: dass L\u00e4rm die Wahrheit \u00fcbert\u00f6nt.<\/p>\n\n  <p><strong>Frage:<\/strong> Glauben Sie, dass die Menschen noch wissen, wie sehr Ihr Werk ihr Leben gepr\u00e4gt hat?<\/p>\n  <p><strong>Gutenberg:<\/strong> Die meisten denken nicht daran. \n  Doch jedes Buch, jede Zeitung, jede Zeile auf einem Bildschirm tr\u00e4gt mein Erbe in sich. \n  Worte sind Br\u00fccken zwischen Seelen \u2013 ob auf Pergament, Papier oder im digitalen Raum. \n  Vergesst nicht: Die Technik ist nur die Form. \n  Der Inhalt \u2013 das, was ihr zu sagen habt \u2013 entscheidet \u00fcber die Zukunft der Menschheit.<\/p>\n\n  <footer>\n    <p><em>\u201eIm Anfang war das Wort\u201c \u2013 im FutureLab klingt es weiter, \n    als Einladung an uns, die Verantwortung f\u00fcr Sprache und Wahrheit nicht aus den H\u00e4nden zu geben.<\/em><\/p>\n\n<p><em>\u201eMehr als das Gold hat das Blei die Welt ge\u00e4ndert. Und mehr als das Blei in der Flinte das im Setzkasten&#8220; GEORG CHRISTOPH LICHTENBERG<\/em><\/p>\n  <\/footer>\n<\/section>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgeschlagenes Exemplar der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel (ca. 1454\/55). Sie gilt als das erste in Europa mit beweglichen Lettern gedruckte Gro\u00dfbuch. Der Name \u201e42-zeilig\u201c verweist auf das Seitenlayout: Jede Spalte umfasst 42 Zeilen \u2013 ein Ergebnis von Gutenbergs Experimenten mit Schriftgr\u00f6\u00dfe und Zeilenabstand, das die Herstellung kosteng\u00fcnstiger und zugleich \u00e4sthetisch ausgewogener machte. 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