{"id":6122,"date":"2026-04-09T18:01:02","date_gmt":"2026-04-09T16:01:02","guid":{"rendered":"https:\/\/mypapergate.net\/?page_id=6122"},"modified":"2026-09-04T15:52:42","modified_gmt":"2026-09-04T13:52:42","slug":"zeitreisen-iii","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/","title":{"rendered":"Zeitreisen &#8211; Europa in Ludwigsburg"},"content":{"rendered":"<section class=\"zeitreise zeitreise-3-vorspann\">\n<header class=\"kapitelkopf\">\n<p class=\"zyklus\">ZEITREISE III<\/p>\n<h2>Europa in Ludwigsburg<\/h2>\n<p class=\"untertitel\">Vorspann zur historischen Lage Deutschlands vor 1870<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"kapiteltext\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Europa-1815-2-e1775822899579.jpg?resize=1335%2C807&#038;ssl=1\" alt=\"Europa nach dem Wiener Kongress 1815\" width=\"1335\" height=\"807\" \/><figcaption>Europa nach dem Wiener Kongress 1815: Der deutsche Raum ist kein Nationalstaat, sondern ein Mosaik aus Einzelstaaten im Deutschen Bund. Zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen beginnt der Machtkampf um die F\u00fchrung in Deutschland.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bevor die Gesandten in Ludwigsburg zusammentreffen, ist Deutschland keine Nation im modernen Sinn.<\/p>\n<p>Was auf Karten wie ein zusammenh\u00e4ngender Raum erscheint, ist in Wirklichkeit ein zersplittertes Gef\u00fcge aus K\u00f6nigreichen, Gro\u00dfherzogt\u00fcmern, Herzogt\u00fcmern und freien St\u00e4dten. Nach dem Wiener Kongress von 1815 entsteht kein deutscher Nationalstaat, sondern der <strong>Deutsche Bund<\/strong> \u2013 ein lockerer Zusammenschluss souver\u00e4ner Einzelstaaten.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieses Bundes stehen zwei M\u00e4chte, die einander mit wachsendem Misstrauen beobachten: <strong>\u00d6sterreich<\/strong> unter den Habsburgern und <strong>Preu\u00dfen<\/strong> unter den Hohenzollern.<\/p>\n<p>\u00d6sterreich verk\u00f6rpert die alte Ordnung Europas: dynastisch, vielv\u00f6lkisch, konservativ und auf den Erhalt des Gleichgewichts bedacht. Preu\u00dfen dagegen w\u00e4chst zur milit\u00e4risch disziplinierten und politisch zielstrebigen Macht heran und beansprucht zunehmend die F\u00fchrung im deutschen Raum.<\/p>\n<p>Dazwischen liegen die s\u00fcddeutschen Staaten \u2013 <strong>W\u00fcrttemberg<\/strong>, <strong>Baden<\/strong> und <strong>Bayern<\/strong>. Sie sind eigenst\u00e4ndig, stolz auf ihre Geschichte und keineswegs bereit, sich widerstandslos einer preu\u00dfischen F\u00fchrung zu unterwerfen.<\/p>\n<p>Doch unter der Oberfl\u00e4che ver\u00e4ndert sich das politische Denken. Die napoleonischen Kriege und die Befreiungskriege haben ein neues Bewusstsein hervorgebracht. In der <strong>V\u00f6lkerschlacht bei Leipzig<\/strong> 1813 k\u00e4mpfen deutsche Kontingente gemeinsam gegen Napoleon. Zum ersten Mal entsteht in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab das Gef\u00fchl, dass die Deutschen mehr verbindet als ihre Grenzen sie trennen.<\/p>\n<p>Nach 1815 wird dieses Gef\u00fchl nicht erf\u00fcllt, sondern gebremst. Der Wiener Kongress will Ordnung schaffen, nicht Freiheit. Europa soll stabilisiert, nicht neu erfunden werden. Die F\u00fcrsten bleiben im Amt, die alten Dynastien kehren zur\u00fcck, und Deutschland bleibt ein politischer Flickenteppich.<\/p>\n<p>Doch die Idee der Nation verschwindet nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_4595\" aria-describedby=\"caption-attachment-4595\" style=\"width: 1546px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4595\" data-permalink=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/paulskirche\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/paulskirche-e1769011054369.jpg?fit=1060%2C596&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1060,596\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Paulskirche\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;\u201eFrankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche (1848): Der erste gesamtdeutsche Parlamentsversuch formulierte Freiheit und Einheit \u2013 scheiterte jedoch an Machtfragen und der fehlenden Durchsetzungskraft.\u201c&lt;\/p&gt;\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/paulskirche-e1769011054369.jpg?fit=1024%2C576&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-4595\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/paulskirche-e1769011054369.jpg?resize=1546%2C869&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"1546\" height=\"869\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4595\" class=\"wp-caption-text\">\u201eFrankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche (1848): Der erste gesamtdeutsche Parlamentsversuch formulierte Freiheit und Einheit \u2013 scheiterte jedoch an Machtfragen und der fehlenden Durchsetzungskraft.\u201c<\/figcaption><\/figure>\n<p>1848 tritt sie mit Macht hervor. In der Frankfurter Paulskirche versuchen Liberale, B\u00fcrgerliche und Nationalgesinnte, Deutschland auf dem Weg von Verfassung und Parlament zu einen. Es ist der gro\u00dfe Versuch, Einheit und Freiheit miteinander zu verbinden.<\/p>\n<p>Der Versuch scheitert.<\/p>\n<p>Die F\u00fcrsten behalten die Macht. Die Revolution zerbricht. Aber die Frage bleibt offen: Wer soll Deutschland f\u00fchren? \u00d6sterreich oder Preu\u00dfen? Ein Parlament oder die Macht der Kabinette? Freiheit oder milit\u00e4rische Ordnung?<\/p>\n<p>Die Antwort f\u00e4llt nicht in der Paulskirche, sondern auf den Schlachtfeldern und in den Regierungsstuben der Macht.<\/p>\n<p>1866 besiegt Preu\u00dfen \u00d6sterreich im Deutschen Krieg. Damit ist der Kampf um die F\u00fchrung im deutschen Raum entschieden. \u00d6sterreich scheidet aus der deutschen Politik aus. Im Norden entsteht der <strong>Norddeutsche Bund<\/strong> unter preu\u00dfischer F\u00fchrung.<\/p>\n<p>Die s\u00fcddeutschen Staaten bleiben formal selbst\u00e4ndig. Doch ihre Unabh\u00e4ngigkeit ist bereits eingeschr\u00e4nkt. Bayern, W\u00fcrttemberg und Baden schlie\u00dfen Schutz- und Trutzb\u00fcndnisse mit Preu\u00dfen. Diese Vertr\u00e4ge verpflichten sie, im Kriegsfall an Preu\u00dfens Seite zu stehen.<\/p>\n<p>Nach au\u00dfen sind sie souver\u00e4n. In der Realit\u00e4t sind sie schon Teil einer Entwicklung, die auf ein neues Reich hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Was noch fehlt, ist der \u00e4u\u00dfere Anlass.<\/p>\n<p>Dieser Anlass kommt 1870.<\/p>\n<p>Die Spannungen zwischen Frankreich und Preu\u00dfen wachsen. In Bad Ems f\u00fchrt eine diplomatische Episode zu jenem Vorgang, der als <strong>Emser Depesche<\/strong> in die Geschichte eingeht. Otto von Bismarck k\u00fcrzt und versch\u00e4rft die Mitteilung so, dass sie in Paris wie eine Provokation wirkt und in Deutschland wie eine Kr\u00e4nkung der eigenen W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Napoleon III. reagiert. Frankreich erkl\u00e4rt Preu\u00dfen den Krieg.<\/p>\n<p>Damit tritt der B\u00fcndnisfall ein.<\/p>\n<p>Was bisher nebeneinander stand, wird nun gemeinsam in einen Krieg gef\u00fchrt. Die s\u00fcddeutschen Staaten schlie\u00dfen sich Preu\u00dfen an \u2013 nicht aus romantischer Einigkeit, sondern aus B\u00fcndnispflicht, politischer Berechnung und dem Sog einer nationalen Bewegung, die l\u00e4ngst st\u00e4rker geworden ist als die Vorbehalte der Einzelstaaten.<\/p>\n<p>So entsteht die deutsche Nation nicht aus freier Verst\u00e4ndigung, sondern aus Rivalit\u00e4t, Machtpolitik, B\u00fcndnistreue und einem provozierten Krieg.<\/p>\n<p>Bevor also der Augenblick in Ludwigsburg sichtbar wird, muss man verstehen, wie tief die Zerrissenheit Deutschlands war \u2013 und wie sehr der Traum von Einheit mit dem Risiko verkn\u00fcpft war, diese Einheit im Krieg zu suchen.<\/p>\n<p>Erst vor diesem Hintergrund gewinnt die Szene im Schloss ihre eigentliche Bedeutung.<\/p>\n<section class=\"zeitreise zeitreise-3\">\n<header class=\"kapitelkopf\">\n<h3>Der Moment in Ludwigsburg<\/h3>\n<\/header>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/section>\n<\/div>\n<\/section>\n<section class=\"zeitreise zeitreise-3\">\n<header class=\"kapitelkopf\">\n<p class=\"zyklus\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6128\" data-permalink=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/zeitreise-iii-ludwigsnurg-die-botschafter-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?fit=1026%2C695&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1026,695\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"Zeitreise III Ludwigsnurg die Botschafter\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?fit=1024%2C694&amp;ssl=1\" class=\"alignnone wp-image-6128\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388-300x203.jpg?resize=1640%2C1110&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"1640\" height=\"1110\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?resize=300%2C203&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?resize=1024%2C694&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?resize=768%2C520&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?resize=18%2C12&amp;ssl=1 18w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Zeitreise-III-Ludwigsnurg-die-Botschafter-1-e1775751508388.jpg?w=1026&amp;ssl=1 1026w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<pre>Bild: Chatgpt, Idee: Wolfgang Bossert -Ein Gesandter aus Preussen trifft die Vertreter W\u00fcrttembergs, Bayerns und Badens<\/pre>\n<p class=\"zyklus\">ZEITREISE III<\/p>\n<h2>Europa in Ludwigsburg<\/h2>\n<p class=\"untertitel\">Eine Zeitreise zwischen T\u00e4uschung und Vers\u00f6hnung<\/p>\n<\/header>\n<div class=\"kapiteltext\">\n<p>Es ist derselbe Ort.<\/p>\n<p>Der gleiche Saal, die gleichen Fenster, durch die das Licht f\u00e4llt \u2013 nur die Zeit ist eine andere.<\/p>\n<p>Wir stehen im Schloss von Ludwigsburg.<\/p>\n<p>Hier, wo Jahrzehnte sp\u00e4ter Charles de Gaulle sprechen wird, beginnt unsere Zeitreise in eine andere Epoche. Eine Epoche, in der Europa nicht vers\u00f6hnt, sondern zerrissen wird.<\/p>\n<p>Die T\u00fcren \u00f6ffnen sich.<\/p>\n<p>Ein Gesandter aus Preu\u00dfen tritt ein.<\/p>\n<p>Er tr\u00e4gt keine Uniform, aber seine Haltung ist milit\u00e4risch. Er spricht im Namen von K\u00f6nig Wilhelm I. \u2013 und im Schatten eines Mannes, der nicht anwesend ist und doch alles bestimmt: Otto von Bismarck.<\/p>\n<p>Am Tisch sitzen die Vertreter W\u00fcrttembergs, Bayerns und Badens.<\/p>\n<p>Der w\u00fcrttembergische Minister erhebt sich leicht.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir begr\u00fc\u00dfen Sie in Ludwigsburg. Ihre Reise war sicher beschwerlich.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Preu\u00dfe neigt den Kopf.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Reise war notwendig.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein kurzer Moment der Stille.<\/p>\n<p>Dann beginnt er.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMeine Herren, die Lage Europas hat sich zugespitzt. Frankreich beobachtet unsere Entwicklung mit wachsender Feindseligkeit. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es handelt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der bayerische Gesandte verschr\u00e4nkt die H\u00e4nde.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eOder bis es dazu gebracht wird, zu handeln.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein leiser, aber deutlich h\u00f6rbarer Satz.<\/p>\n<p>Der Preu\u00dfe l\u00e4chelt kaum merklich.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eFrankreich ist ein stolzes Land. Es bedarf keiner Hilfe, um seine Ehre zu verteidigen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der badische Vertreter beugt sich vor.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd doch sprechen Sie von einer Unvermeidlichkeit. Wer entscheidet, wann diese Unvermeidlichkeit eintritt?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Preu\u00dfe antwortet ruhig:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie Ereignisse werden es zeigen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der w\u00fcrttembergische Minister schaut aus dem Fenster.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir sprechen von Krieg.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eWir sprechen von Sicherheit\u201c, entgegnet der Preu\u00dfe. \u201eUnd von Einheit.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt hebt der bayerische Gesandte den Blick.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEinheit wessen? Preu\u00dfens? Oder Deutschlands?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Moment, in dem die Luft schwer wird.<\/p>\n<p>Der Preu\u00dfe tritt einen Schritt n\u00e4her.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMeine Herren, Deutschland existiert bereits. Es fehlt ihm nur die Form.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eUnd diese Form\u201c, sagt der W\u00fcrttemberger langsam, \u201esoll durch Krieg entstehen?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eDurch Notwendigkeit\u201c, korrigiert der Preu\u00dfe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Der badische Vertreter lehnt sich zur\u00fcck.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben 1848 gesehen, wohin Tr\u00e4ume f\u00fchren k\u00f6nnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eUnd wir haben gesehen\u201c, antwortet der Preu\u00dfe scharf, \u201ewohin Z\u00f6gern f\u00fchrt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Stille.<\/p>\n<p>Dann \u2013 leiser:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eFrankreich wird den ersten Schritt tun.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der bayerische Gesandte blickt auf.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSind Sie sich da so sicher?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein kaum wahrnehmbares Z\u00f6gern.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSicher genug.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der w\u00fcrttembergische Minister spricht jetzt langsamer.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eUnd wenn wir uns anschlie\u00dfen \u2013 was geschieht dann?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eDann handeln wir gemeinsam.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<blockquote><p>\u201eUnd wenn wir uns nicht anschlie\u00dfen?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Preu\u00dfe sieht ihn direkt an.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDann handeln Sie allein.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Satz, der nicht laut ist \u2013 aber endg\u00fcltig.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner am Tisch wissen, was er bedeutet.<\/p>\n<p>B\u00fcndnistreue.<\/p>\n<p>Isolation.<\/p>\n<p>Entscheidung.<\/p>\n<p>Der w\u00fcrttembergische Minister senkt den Blick.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir werden unsere Verpflichtungen pr\u00fcfen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Preu\u00dfe nickt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIch zweifle nicht daran.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Sitzung endet ohne Beschluss.<\/p>\n<p>Und doch ist alles entschieden.<\/p>\n<p>Denn au\u00dferhalb dieses Raumes hat sich bereits etwas bewegt.<\/p>\n<p>In Bad Ems.<\/p>\n<p>Eine Depesche.<\/p>\n<p>Gek\u00fcrzt. Gesch\u00e4rft. Ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Die Worte eines K\u00f6nigs werden zu einer Provokation.<\/p>\n<p>Napoleon III. reagiert.<\/p>\n<p>Frankreich erkl\u00e4rt den Krieg.<\/p>\n<p>Und pl\u00f6tzlich ist das, was hier noch verhandelt wurde, Wirklichkeit geworden.<\/p>\n<p>Die s\u00fcddeutschen Staaten treten ein.<\/p>\n<p>Nicht als Sieger.<\/p>\n<p>Nicht als Verlierer.<\/p>\n<p>Sondern als Teil eines Geschehens, das gr\u00f6\u00dfer ist als ihre Entscheidung.<\/p>\n<p>Wir verlassen den Raum.<\/p>\n<p>Die Stimmen verhallen.<\/p>\n<p>Und wir wissen:<\/p>\n<p>Hier wurde kein Krieg beschlossen.<\/p>\n<p>Aber hier wurde er m\u00f6glich gemacht.<\/p>\n<p>Und aus ihm entsteht das Deutsche Reich.<\/p>\n<p>In Versailles.<\/p>\n<p>Im Spiegel der Macht.<\/p>\n<p>Und im Schatten der Zukunft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_4597\" aria-describedby=\"caption-attachment-4597\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"4597\" data-permalink=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/bismarck\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/bismarck-e1769012664790.jpg?fit=620%2C800&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"620,800\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Bismarck\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Bismarck als Bundestagsgesandter, 1858, mit Halsdekoration und Brustkreuz eines Ehrenritters der Johanniterordens. \u201eOtto von Bismarck (ab 1862): Der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident setzte nationale Einheit nicht durch Revolution, sondern durch Machtpolitik, Diplomatie und Krieg durch.\u201c&lt;\/p&gt;&lt;p&gt;Portr\u00e4it von Jakob Becker &lt;\/p&gt;\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/bismarck-e1769012664790.jpg?fit=620%2C800&amp;ssl=1\" class=\"size-full wp-image-4597\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/bismarck-e1769012664790.jpg?resize=620%2C800&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"800\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4597\" class=\"wp-caption-text\">Bismarck als Bundestagsgesandter, 1858, mit Halsdekoration und Brustkreuz eines Ehrenritters der Johanniterordens. \u201eOtto von Bismarck (ab 1862): Der preu\u00dfische Ministerpr\u00e4sident setzte nationale Einheit nicht durch Revolution, sondern durch Machtpolitik, Diplomatie und Krieg durch.\u201c<br \/>Portr\u00e4it von Jakob Becker<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/section>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_6156\" aria-describedby=\"caption-attachment-6156\" style=\"width: 645px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6156\" data-permalink=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/wilhelm-i-2\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Wilhelm-I-e1775824811233.jpg?fit=612%2C612&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"612,612\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Wilhelm I\" data-image-description=\"&lt;p&gt;Wilhelm I., mit vollem Namen Wilhelm Friedrich Ludwig von Preu\u00dfen, aus dem Haus Hohenzollern war von 1861 bis zu seinem Tod K\u00f6nig von Preu\u00dfen und seit der Reichsgr\u00fcndung 1871 erster Deutscher Kaiser. Als zweitgeborener Sohn Friedrich Wilhelms III. wurde er zun\u00e4chst nicht auf die Aufgaben eines Monarchen vorbereitet, sondern schlug eine milit\u00e4rische Laufbahn ein. Infolge des&amp;#8230; wikipedia.org&lt;\/p&gt;&lt;p&gt;Geboren: 22. M\u00e4rz 1797, Kronprinzenpalais, Deutschland&lt;br \/&gt;Gestorben: 9. 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Als zweitgeborener Sohn Friedrich Wilhelms III. wurde er zun\u00e4chst nicht auf die Aufgaben eines Monarchen vorbereitet, sondern schlug eine milit\u00e4rische Laufbahn ein. Infolge des&#8230; wikipedia.org<\/p>\n<p>Geboren: 22. M\u00e4rz 1797, Kronprinzenpalais, Deutschland<br \/>\nGestorben: 9. M\u00e4rz 1888<br \/>\nEhe: Augusta of Saxe-Weimar(verh. 1829-1888)<br \/>\nPartner: Elisa Radziwi\u0142\u0142<br \/>\nEltern: Friedrich Wilhelm III., Luise von Mecklenburg-Strelitz<br \/>\nKinder: Friedrich III., Luise von Preu\u00dfen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_6161\" aria-describedby=\"caption-attachment-6161\" style=\"width: 641px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"6161\" data-permalink=\"https:\/\/mypapergate.net\/en\/zeitreisen-iii\/karl-i-von-wuerttemberg\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403.jpg?fit=722%2C740&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"722,740\" data-comments-opened=\"0\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Karl I. von W\u00fcrttemberg\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"&lt;p&gt;Regierungszeit: 1864\u20131891&lt;br \/&gt;Geboren: 1823&lt;br \/&gt;Gestorben: 1891&lt;br \/&gt;Nachfolger von K\u00f6nig Wilhelm I.&lt;br \/&gt;Mitglied des Hauses W\u00fcrttemberg&lt;\/p&gt;\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403.jpg?fit=1024%2C562&amp;ssl=1\" class=\"wp-image-6161\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403-293x300.jpg?resize=641%2C656&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"641\" height=\"656\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403.jpg?resize=293%2C300&amp;ssl=1 293w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403.jpg?resize=12%2C12&amp;ssl=1 12w, https:\/\/i0.wp.com\/mypapergate.net\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Karl-I.-von-Wuerttemberg-e1775826272403.jpg?w=722&amp;ssl=1 722w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6161\" class=\"wp-caption-text\">Karl I. von W\u00fcrttemberg\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Regierungszeit: 1864\u20131891<br \/>Geboren: 1823<br \/>Gestorben: 1891<br \/>Nachfolger von K\u00f6nig Wilhelm I.<br \/>Mitglied des Hauses W\u00fcrttemberg<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eK\u00f6nig Karl von W\u00fcrttemberg \u2013 ein Monarch zwischen Eigenstaatlichkeit und dem Sog der neuen Nation. Noch ist er K\u00f6nig eines eigenen Reiches. Doch die Entscheidungen dieses Tages f\u00fchren ihn unaufhaltsam in ein gr\u00f6\u00dferes Gef\u00fcge.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ZEITREISE III Europa in Ludwigsburg Vorspann zur historischen Lage Deutschlands vor 1870 Europa nach dem Wiener Kongress 1815: Der deutsche Raum ist kein Nationalstaat, sondern ein Mosaik aus Einzelstaaten im Deutschen Bund. Zwischen \u00d6sterreich und Preu\u00dfen beginnt der Machtkampf um die F\u00fchrung in Deutschland. 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