{"id":7693,"date":"2026-08-26T18:51:47","date_gmt":"2026-08-26T16:51:47","guid":{"rendered":"https:\/\/mypapergate.net\/?page_id=7693"},"modified":"2026-08-26T19:07:39","modified_gmt":"2026-08-26T17:07:39","slug":"widerspruch-als-hoffnung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/widerspruch-als-hoffnung\/","title":{"rendered":"Widerspruch als Hoffnung"},"content":{"rendered":"<h1>DER WIDERSPRUCH ALS MODELL DER HOFFNUNG<\/h1>\n<h2>Warum ich trotz allem an Ver\u00e4nderung glaube<\/h2>\n<p>Vielleicht liegt im Widerspruch nicht nur eine Gefahr.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt darin auch eine der gr\u00f6\u00dften Hoffnungen des Menschen.<\/p>\n<p>Wenn ich Geschichte betrachte, sehe ich immer wieder Gegens\u00e4tze:<\/p>\n<p>Fortschritt und Reaktion.<\/p>\n<p>Demokratie und Demokratieverachtung.<\/p>\n<p>Pazifismus und Militarismus.<\/p>\n<p>Emanzipation und Rassismus.<\/p>\n<p>Wissenschaft und Mythos.<\/p>\n<p>Sexuelle Befreiung und autorit\u00e4re Sehnsucht.<\/p>\n<p>Humanismus und Menschenverachtung.<\/p>\n<p>Diese Widerspr\u00fcche beunruhigen mich. Aber inzwischen frage ich mich:<\/p>\n<p><strong>Was geschieht eigentlich, wenn Menschen mit ihren Widerspr\u00fcchen menschenw\u00fcrdig umgehen?<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht beginnt genau dort Hoffnung.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>1. HEGEL \u2013 DER WIDERSPRUCH MUSS NICHT ZUR FEINDSCHAFT WERDEN<\/h1>\n<p>Hegel hat den Widerspruch ins Zentrum seines Denkens gestellt.<\/p>\n<p>Seine Dialektik wird h\u00e4ufig vereinfacht mit den Begriffen <strong>These \u2013 Antithese \u2013 Synthese<\/strong> beschrieben. Philosophisch ist das nur eine Ann\u00e4herung an sein wesentlich komplexeres Denken.<\/p>\n<p>Aber der Grundgedanke fasziniert mich:<\/p>\n<p><strong>Ein Widerspruch muss nicht dadurch gel\u00f6st werden, dass eine Seite die andere vernichtet.<\/strong><\/p>\n<p>Aus der Auseinandersetzung kann etwas Neues entstehen.<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf den menschlichen Dialog bedeutet das f\u00fcr mich:<\/p>\n<p>Ich habe eine \u00dcberzeugung.<\/p>\n<p>Du hast eine andere.<\/p>\n<p>Wir widersprechen uns.<\/p>\n<p>Aber ich erkenne dich weiterhin als Menschen gleicher W\u00fcrde an.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re dir zu.<\/p>\n<p>Du h\u00f6rst mir zu.<\/p>\n<p>Vielleicht \u00fcberzeugt keiner den anderen vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Vielleicht ver\u00e4ndert sich meine Position.<\/p>\n<p>Vielleicht deine.<\/p>\n<p>Vielleicht entsteht sogar ein Gedanke, den vorher keiner von uns hatte.<\/p>\n<p>Das w\u00e4re f\u00fcr mich die eigentliche Synthese:<\/p>\n<p><strong>nicht Sieg, sondern Erkenntnis.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h1>2. DER MENSCHENW\u00dcRDIGE WIDERSPRUCH<\/h1>\n<p>Damit komme ich zu einer einfachen Formel:<\/p>\n<h2>WIDERSPRUCH + MENSCHENW\u00dcRDE + DIALOG<\/h2>\n<h2>\u2192 ERKENNTNIS<\/h2>\n<p>Eine humanistische Gesellschaft braucht deshalb nicht weniger Widerspruch.<\/p>\n<p>Sie braucht einen anderen <strong>Umgang mit dem Widerspruch<\/strong>.<\/p>\n<p>Ich darf sagen:<\/p>\n<p><strong>\u201eIch halte deine Meinung f\u00fcr falsch.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Aber etwas Entscheidendes darf nicht geschehen.<\/p>\n<p>Aus<\/p>\n<p><strong>\u201eDeine Auffassung ist falsch\u201c<\/strong><\/p>\n<p>darf nicht<\/p>\n<p><strong>\u201eDu bist minderwertig\u201c<\/strong><\/p>\n<p>werden.<\/p>\n<p>Denn in diesem Augenblick ver\u00e4ndert sich die Qualit\u00e4t des Konflikts.<\/p>\n<p>Der Andersdenkende wird zum Feind.<\/p>\n<p>Der Fremde zur Bedrohung.<\/p>\n<p>Der politische Gegner zum Verr\u00e4ter.<\/p>\n<p>Aus dem Streit \u00fcber Gedanken wird ein Urteil \u00fcber den Wert eines Menschen.<\/p>\n<p>Dann endet der Dialog.<\/p>\n<p>Und wo kein Dialog mehr m\u00f6glich ist, kann auch keine neue Erkenntnis entstehen.<\/p>\n<p>Die Gegenformel lautet deshalb:<\/p>\n<h2>WIDERSPRUCH + MENSCHENVERACHTUNG<\/h2>\n<h2>\u2192 AUSGRENZUNG \u2192 FEINDSCHAFT \u2192 GEWALT<\/h2>\n<p>Vielleicht liegt genau hier die Grenze, die eine humane Gesellschaft niemals \u00fcberschreiten darf.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>3. WEIMAR \u2013 DIE GLEICHZEITIGKEIT DER WIDERSPR\u00dcCHE<\/h1>\n<p>Gerade die Weimarer Republik zeigt mir, warum diese Unterscheidung so wichtig ist.<\/p>\n<p>Eine Demokratie muss Gegens\u00e4tze aushalten.<\/p>\n<p>Arbeiter und Unternehmer.<\/p>\n<p>Konservative und Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>Religi\u00f6se und Nichtreligi\u00f6se.<\/p>\n<p>Pazifisten und Nationalisten.<\/p>\n<p>Tradition und Moderne.<\/p>\n<p>Aber Weimar zeigt noch etwas viel Grunds\u00e4tzlicheres.<\/p>\n<p>Geschichte verl\u00e4uft nicht auf einer geraden Linie.<\/p>\n<p>Gegens\u00e4tzliche Entwicklungen k\u00f6nnen gleichzeitig stattfinden:<\/p>\n<p><strong>Fortschritt und Reaktion.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Demokratie und Demokratieverachtung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Pazifismus und Militarismus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Emanzipation und Rassismus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wissenschaft und Mythos.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sexuelle Befreiung und autorit\u00e4re Sehnsucht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Humanismus und Menschenverachtung.<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht war Weimar gerade deshalb so faszinierend.<\/p>\n<p>Und so gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Berlin konnte eine der modernsten Kulturmetropolen Europas sein, w\u00e4hrend gleichzeitig antisemitische und v\u00f6lkische Bewegungen st\u00e4rker wurden.<\/p>\n<p>Menschen konnten Goethe lesen und Beethoven h\u00f6ren und dennoch rassistischen Vorstellungen anh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Menschen konnten die Sch\u00fctzengr\u00e4ben des Ersten Weltkriegs \u00fcberlebt haben und daraus v\u00f6llig unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen.<\/p>\n<p>Der eine sagte:<\/p>\n<p><strong>\u201eNie wieder Krieg.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der andere:<\/p>\n<p><strong>\u201eBeim n\u00e4chsten Mal m\u00fcssen wir gewinnen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das Vorhandensein von Widerspr\u00fcchen zerst\u00f6rt eine Demokratie also noch nicht.<\/p>\n<p>Gef\u00e4hrlich wird es dort, wo aus dem politischen Gegner ein Feind wird.<\/p>\n<p>Wo aus:<\/p>\n<p><strong>\u201eDu irrst dich.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>ein<\/p>\n<p><strong>\u201eDu geh\u00f6rst nicht zu uns.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>wird.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich:<\/p>\n<p><strong>\u201eDu darfst nicht mehr dazugeh\u00f6ren.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Hier endet der demokratische Widerspruch.<\/p>\n<p>Die Menschenverachtung beginnt.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>4. PARADOXIEN UND AMBIVALENZEN \u2013 DER MENSCH IST NICHT WIDERSPRUCHSFREI<\/h1>\n<p>Vielleicht besteht einer unserer gr\u00f6\u00dften Denkfehler darin, zu erwarten, der Mensch m\u00fcsse widerspruchsfrei sein.<\/p>\n<p>Aber das ist er nicht.<\/p>\n<p>Wir wollen Freiheit und gleichzeitig Sicherheit.<\/p>\n<p>Wir suchen N\u00e4he und brauchen Distanz.<\/p>\n<p>Wir wollen Neues und sehnen uns nach Vertrautem.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen Ver\u00e4nderung und f\u00fcrchten sie zugleich.<\/p>\n<p>Wir wollen lange leben und erschrecken vor den Einschr\u00e4nkungen des Alters.<\/p>\n<p>Wir wissen um unsere Endlichkeit und leben doch h\u00e4ufig so, als h\u00e4tten wir unbegrenzt Zeit.<\/p>\n<p>Das sind <strong>Ambivalenzen<\/strong>.<\/p>\n<p>Gegens\u00e4tzliche Bed\u00fcrfnisse, Gef\u00fchle und Wertvorstellungen k\u00f6nnen gleichzeitig in uns vorhanden sein.<\/p>\n<p>Eine <strong>Paradoxie<\/strong> begegnet uns dagegen dort, wo ein Ergebnis unserer zun\u00e4chst logischen Erwartung widerspricht.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist das Alter.<\/p>\n<p>Junge Menschen verf\u00fcgen \u00fcber viele M\u00f6glichkeiten und wollen h\u00e4ufig noch sehr viel erreichen.<\/p>\n<p>Mit zunehmendem Alter werden manche M\u00f6glichkeiten geringer.<\/p>\n<p>Eigentlich m\u00fcsste deshalb die Zufriedenheit sinken.<\/p>\n<p>Und doch kann die Lebenszufriedenheit nach einer mittleren Lebensphase wieder steigen.<\/p>\n<p>Das erscheint paradox:<\/p>\n<h2>WENIGER M\u00d6GLICHKEITEN \u2013 UND DENNOCH MEHR ZUFRIEDENHEIT.<\/h2>\n<p>Vielleicht ver\u00e4ndert sich die Perspektive.<\/p>\n<p>Der junge Mensch fragt:<\/p>\n<p><strong>Was kann ich noch erreichen?<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00e4ltere Mensch vielleicht h\u00e4ufiger:<\/p>\n<p><strong>Was ist bereits da?<\/strong><\/p>\n<p>Das Wollen sagt:<\/p>\n<p><strong>Mir fehlt etwas.<\/strong><\/p>\n<p>Die Zufriedenheit sagt:<\/p>\n<p><strong>Es ist genug.<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht zeigt gerade dieses pers\u00f6nliche Beispiel etwas Allgemeines:<\/p>\n<p><strong>Widerspruch und Ambivalenz sind nicht zwangsl\u00e4ufig St\u00f6rungen. Sie geh\u00f6ren zum Menschsein.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h1>5. DREI HISTORISCHE UNGLEICHUNGEN<\/h1>\n<p>Aus der Geschichte ergeben sich f\u00fcr mich drei besonders wichtige Ungleichungen.<\/p>\n<p>Sie widersprechen Erwartungen, die zun\u00e4chst vollkommen vern\u00fcnftig erscheinen.<\/p>\n<h2>BILDUNG \u2260 AUTOMATISCH HUMANIT\u00c4T<\/h2>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte man glauben:<\/p>\n<p>Je gebildeter eine Gesellschaft wird, desto menschlicher m\u00fcsste sie werden.<\/p>\n<p>Aber Geschichte beweist das Gegenteil.<\/p>\n<p>Ein Mensch kann hochgebildet sein und trotzdem andere Menschen verachten.<\/p>\n<p>Er kann Literatur lieben, Musik verstehen, Philosophie studieren und wissenschaftlich arbeiten \u2013 und dennoch rassistisch oder menschenverachtend denken.<\/p>\n<p>Bildung erweitert Wissen.<\/p>\n<p>Aber Wissen allein erzeugt keine Moral.<\/p>\n<p>Humanit\u00e4t verlangt mehr:<\/p>\n<p><strong>Empathie, Haltung und die Anerkennung der W\u00fcrde des anderen Menschen.<\/strong><\/p>\n<p>Deshalb lautet meine erste Erkenntnis:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Bildung ist notwendig \u2013 aber sie garantiert keine Menschlichkeit.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<h2>KRIEGSERFAHRUNG \u2260 AUTOMATISCH FRIEDEN<\/h2>\n<p>Auch hier scheint die logische Erwartung eindeutig.<\/p>\n<p>Wer Krieg erlebt hat, m\u00fcsste alles tun, damit es nie wieder Krieg gibt.<\/p>\n<p>Aber auch das geschieht nicht automatisch.<\/p>\n<p>Leid kann zum Wunsch nach Frieden f\u00fchren.<\/p>\n<p>Es kann aber ebenso Rache, Hass und Vergeltung hervorbringen.<\/p>\n<p>Der eine sagt:<\/p>\n<p><strong>Nie wieder.<\/strong><\/p>\n<p>Der andere:<\/p>\n<p><strong>Beim n\u00e4chsten Mal gewinnen wir.<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidend ist deshalb nicht nur, <strong>was<\/strong> ein Mensch erlebt.<\/p>\n<p>Entscheidend ist auch, <strong>wie er das Erlebte deutet<\/strong>.<\/p>\n<p>Erinnerung kann vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Erinnerung kann aber auch neuen Hass erzeugen.<\/p>\n<p>Deshalb:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Leid erzeugt nicht automatisch Menschlichkeit. Frieden muss gelernt, erinnert und gestaltet werden.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<hr \/>\n<h2>VERFASSUNG \u2260 AUTOMATISCH DEMOKRATISCHE KULTUR<\/h2>\n<p>Eine demokratische Verfassung schafft Institutionen und Rechte.<\/p>\n<p>Aber sie kann Menschen nicht zwingen, Demokraten zu sein.<\/p>\n<p>Demokratie braucht mehr als Wahlen.<\/p>\n<p>Sie braucht Menschen, die akzeptieren, dass sie verlieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Menschen, die Kompromisse nicht als Schw\u00e4che betrachten.<\/p>\n<p>Menschen, die ihren politischen Gegner nicht zum Feind erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Sie braucht unabh\u00e4ngige Gerichte, freie Medien und den Schutz von Minderheiten.<\/p>\n<p>Eine Verfassung kann Demokratie erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Aber:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Demokratische Kultur m\u00fcssen Menschen jeden Tag neu herstellen.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht ist Demokratie deshalb niemals fertig.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>6. EINE VIERTE UNGLEICHUNG \u2013 \u00dcBERZEUGUNG IST NICHT WAHRHEIT<\/h1>\n<p>Zu diesen drei historischen Ungleichungen kommt f\u00fcr mich noch eine pers\u00f6nliche und philosophische:<\/p>\n<h2>\u00dcBERZEUGUNG \u2260 WAHRHEIT<\/h2>\n<p>Ich kann vollkommen von etwas \u00fcberzeugt sein und mich trotzdem irren.<\/p>\n<p>Das klingt selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Aber im Alltag vergessen wir es leicht.<\/p>\n<p>Unser Gehirn nimmt die Wirklichkeit nicht neutral wahr.<\/p>\n<p>Wir bevorzugen Informationen, die unsere vorhandenen \u00dcberzeugungen best\u00e4tigen.<\/p>\n<p>Dramatische Gefahren besch\u00e4ftigen uns st\u00e4rker als langsame Verbesserungen.<\/p>\n<p>Wir verallgemeinern einzelne Erfahrungen.<\/p>\n<p>Wir teilen komplizierte Wirklichkeiten gern in einfache Kategorien ein.<\/p>\n<p>Wir suchen Ursachen und Schuldige, selbst wenn Entwicklungen wesentlich komplexer sind.<\/p>\n<p>Solche <strong>kognitiven Verzerrungen \u2013 Biases \u2013<\/strong> geh\u00f6ren zum menschlichen Denken.<\/p>\n<p>Das macht Fakten nicht \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Gerade weil ich mich irren kann, brauche ich Fakten.<\/p>\n<p>Und ich brauche den anderen Menschen.<\/p>\n<p>Denn vielleicht erkennt er etwas, das ich \u00fcbersehe.<\/p>\n<p>Damit bekommt der Widerspruch eine v\u00f6llig neue Bedeutung:<\/p>\n<p><strong>Derjenige, der mir widerspricht, kann mir helfen, meinen eigenen Irrtum zu erkennen.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist f\u00fcr mich eine der st\u00e4rksten Begr\u00fcndungen f\u00fcr den Dialog.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>7. HANS ROSLING \u2013 DIE WELT IST SCHLECHT UND WIRD BESSER<\/h1>\n<p>Hier begegnet mir Hans Rosling.<\/p>\n<p>In <strong>\u201eFactfulness\u201c<\/strong> zeigt er, wie sehr unsere Wahrnehmung der Welt durch Denkgewohnheiten und dramatische Einzelereignisse gepr\u00e4gt werden kann.<\/p>\n<p>\u00dcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume betrachtet ist die weltweite Lebenserwartung gestiegen.<\/p>\n<p>Die Kindersterblichkeit ist stark gesunken.<\/p>\n<p>Mehr Menschen haben Zugang zu Bildung.<\/p>\n<p>Der Anteil der Menschen in extremer Armut ist \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume erheblich zur\u00fcckgegangen.<\/p>\n<p>Medizin, Hygiene und \u00f6ffentliche Gesundheit haben das Leben von Milliarden Menschen ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Rosling sagt damit keineswegs:<\/p>\n<p><strong>Die Welt ist gut.<\/strong><\/p>\n<p>Das w\u00e4re angesichts von Krieg, Hunger, Diktatur, Vertreibung, Klimakrise und Ungerechtigkeit absurd.<\/p>\n<p>Sein Gedanke ist viel anspruchsvoller:<\/p>\n<h2>DIE WELT KANN GLEICHZEITIG SCHLECHT SEIN UND BESSER WERDEN.<\/h2>\n<p>F\u00fcr mich ist das eine der wichtigsten Paradoxien \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Krieg existiert \u2013 und trotzdem kann internationale Zusammenarbeit wachsen.<\/p>\n<p>Armut existiert \u2013 und gleichzeitig kann extreme Armut zur\u00fcckgehen.<\/p>\n<p>Krankheiten existieren \u2013 und gleichzeitig k\u00f6nnen immer mehr Krankheiten behandelt werden.<\/p>\n<p>Menschenverachtung existiert \u2013 und gleichzeitig k\u00f6nnen Menschenrechte gr\u00f6\u00dfere Geltung erlangen.<\/p>\n<p>Das eine widerlegt das andere nicht.<\/p>\n<p><strong>Beides kann gleichzeitig wahr sein.<\/strong><\/p>\n<p>Damit entsteht Hoffnung ohne Selbstt\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Ich muss das Schlechte nicht leugnen, um an Verbesserung glauben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>8. ST\u00c9PHANE HESSEL \u2013 EMP\u00d6RUNG ALS BEGINN DER VERANTWORTUNG<\/h1>\n<p>Aber eine Frage bleibt.<\/p>\n<p>Wenn ich erkenne, dass etwas falsch l\u00e4uft \u2013 was tue ich dann?<\/p>\n<p>Hier kommt f\u00fcr mich <strong>St\u00e9phane Hessel<\/strong> hinzu.<\/p>\n<p>Hessel wurde 1917 in Berlin geboren, wuchs in Frankreich auf, schloss sich w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs der R\u00e9sistance an, wurde verhaftet und in Konzentrationslager deportiert.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg wurde er Diplomat. Er geh\u00f6rte zum Umfeld jener internationalen Arbeit, aus der 1948 die <strong>Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte<\/strong> hervorging.<\/p>\n<p>Im hohen Alter ver\u00f6ffentlichte er 2010 seine kleine Schrift:<\/p>\n<h2>\u201eEmp\u00f6rt Euch!\u201c<\/h2>\n<p>Sie wurde zu einem internationalen Erfolg.<\/p>\n<p>Vielleicht weil Hessel etwas formulierte, das in einer resignierten Gesellschaft leicht verloren geht:<\/p>\n<p><strong>Man darf sich mit Unrecht nicht abfinden.<\/strong><\/p>\n<p>Emp\u00f6rung bedeutet bei ihm nicht Hass.<\/p>\n<p>Sie bedeutet nicht, den Gegner zu entmenschlichen.<\/p>\n<p>Sie bedeutet:<\/p>\n<p><strong>Ich sehe etwas, das der Menschenw\u00fcrde widerspricht \u2013 und ich weigere mich, gleichg\u00fcltig zu bleiben.<\/strong><\/p>\n<p>Damit wird aus Erkenntnis Verantwortung.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>9. EMP\u00d6RUNG KANN ZWEI WEGE NEHMEN<\/h1>\n<p>Aber auch Emp\u00f6rung ist ambivalent.<\/p>\n<p>Sie kann zwei v\u00f6llig unterschiedliche Wege nehmen.<\/p>\n<p>Emp\u00f6rung kann in Hass umschlagen:<\/p>\n<h2>EMP\u00d6RUNG \u2192 FEINDBILD \u2192 MENSCHENVERACHTUNG \u2192 GEWALT<\/h2>\n<p>Oder sie kann aus Humanit\u00e4t entstehen:<\/p>\n<h2>EMP\u00d6RUNG \u2192 VERANTWORTUNG \u2192 DIALOG \u2192 HANDELN<\/h2>\n<p>Genau diese zweite Form interessiert mich.<\/p>\n<p>Ich kann mich \u00fcber Ungerechtigkeit emp\u00f6ren und trotzdem die W\u00fcrde desjenigen achten, dem ich widerspreche.<\/p>\n<p>Vielleicht ist gerade das eine der schwierigsten Formen politischer Kultur:<\/p>\n<p><strong>Nicht gleichg\u00fcltig sein.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nicht schweigen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aber auch nicht hassen.<\/strong><\/p>\n<p>Hessel f\u00fcgt meinem Modell deshalb etwas Entscheidendes hinzu.<\/p>\n<p>Erkenntnis allein gen\u00fcgt nicht.<\/p>\n<p>Manchmal muss aus Erkenntnis Handeln werden.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>10. WAS ICH AUS DEN UNGLEICHUNGEN LERNE<\/h1>\n<p>Meine Ungleichungen f\u00fchren mich deshalb nicht zum Pessimismus.<\/p>\n<p>Im Gegenteil.<\/p>\n<p>Wenn<\/p>\n<h2>BILDUNG \u2260 AUTOMATISCH HUMANIT\u00c4T,<\/h2>\n<p>dann m\u00fcssen wir <strong>Humanit\u00e4t zum Bestandteil von Bildung machen.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn<\/p>\n<h2>KRIEGSERFAHRUNG \u2260 AUTOMATISCH FRIEDEN,<\/h2>\n<p>dann m\u00fcssen wir <strong>Erinnerung in Friedenskultur verwandeln.<\/strong><\/p>\n<p>Wenn<\/p>\n<h2>VERFASSUNG \u2260 AUTOMATISCH DEMOKRATISCHE KULTUR,<\/h2>\n<p>dann m\u00fcssen wir <strong>Demokratie leben und verteidigen.<\/strong><\/p>\n<p>Und wenn<\/p>\n<h2>\u00dcBERZEUGUNG \u2260 WAHRHEIT,<\/h2>\n<p>dann m\u00fcssen wir bereit sein, <strong>uns selbst infrage zu stellen.<\/strong><\/p>\n<p>Das erscheint mir inzwischen entscheidend.<\/p>\n<p>Was nicht automatisch geschieht, ist deshalb nicht unm\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>Es wird zur menschlichen Aufgabe.<\/strong><\/p>\n<p>Vielleicht liegt genau darin die Hoffnung.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>11. HEGEL \u2013 ROSLING \u2013 HESSEL<\/h1>\n<p>Nun verbinden sich f\u00fcr mich drei zun\u00e4chst v\u00f6llig unterschiedliche Denker.<\/p>\n<h3>Hegel sagt mir:<\/h3>\n<p><strong>Widerspruch kann Entwicklung hervorbringen.<\/strong><\/p>\n<h3>Rosling zeigt mir:<\/h3>\n<p><strong>Entwicklung hat tats\u00e4chlich stattgefunden und l\u00e4sst sich anhand von Fakten erkennen.<\/strong><\/p>\n<h3>Hessel fordert mich auf:<\/h3>\n<p><strong>Wenn du Unrecht erkennst, bleibe nicht gleichg\u00fcltig.<\/strong><\/p>\n<p>Damit entsteht f\u00fcr mich eine Bewegung:<\/p>\n<h2>WIDERSPRUCH<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h2>DIALOG<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h2>ERKENNTNIS<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h2>EMP\u00d6RUNG \u00dcBER DAS VER\u00c4NDERBARE<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h2>HANDELN<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h2>VER\u00c4NDERUNG<\/h2>\n<p>\u2193<\/p>\n<h1>HOFFNUNG<\/h1>\n<p>Hoffnung ist damit nicht das naive Vertrauen darauf, dass alles gut wird.<\/p>\n<p>Hoffnung bedeutet:<\/p>\n<h2>Es ist nicht alles gut \u2013 aber es kann besser werden.<\/h2>\n<p>Und Menschen k\u00f6nnen dazu beitragen.<\/p>\n<hr \/>\n<h1>12. HOFFNUNG BRAUCHT WIDERSPRUCH<\/h1>\n<p>Vielleicht habe ich lange geglaubt, eine gute Gesellschaft m\u00fcsse ihre Widerspr\u00fcche \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Heute sehe ich das anders.<\/p>\n<p>Eine freie Gesellschaft wird immer widerspr\u00fcchlich sein.<\/p>\n<p>Menschen werden unterschiedliche Interessen haben.<\/p>\n<p>Sie werden verschiedene Vorstellungen vom guten Leben entwickeln.<\/p>\n<p>Sie werden miteinander streiten.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:<\/p>\n<p><strong>Wie beseitigen wir den Widerspruch?<\/strong><\/p>\n<p>Sondern:<\/p>\n<p><strong>Wie gehen wir mit ihm um?<\/strong><\/p>\n<p>Menschenw\u00fcrdig oder menschenverachtend?<\/p>\n<p>Im Dialog oder im Hass?<\/p>\n<p>Mit Argumenten oder mit Gewalt?<\/p>\n<p>Vielleicht ist Widerspruch deshalb nicht das Gegenteil von Humanismus.<\/p>\n<h2>Er kann sogar seine Voraussetzung sein.<\/h2>\n<p>Denn Humanismus zeigt sich nicht dort, wo alle dasselbe denken.<\/p>\n<p>Humanismus zeigt sich dort, wo Menschen verschieden denken und sich <strong>trotzdem gegenseitig als Menschen gleicher W\u00fcrde anerkennen.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h1>13. MEIN MODELL DER HOFFNUNG<\/h1>\n<p>Damit komme ich zu einer Erkenntnis, die f\u00fcr mich weit \u00fcber Hegel, Rosling und Hessel hinausgeht.<\/p>\n<p>Demokratie ist nicht die Abschaffung des Konflikts.<\/p>\n<p>Sie ist vielleicht die gr\u00f6\u00dfte politische Erfindung f\u00fcr den <strong>menschenw\u00fcrdigen Umgang mit Konflikten<\/strong>.<\/p>\n<p>Sie verspricht uns keine widerspruchsfreie Gesellschaft.<\/p>\n<p>Sie gibt uns einen Raum, in dem Widerspruch ausgetragen werden kann, ohne dass der Gegner vernichtet werden muss.<\/p>\n<p><em>Factfulness<\/em> liefert mir dazu etwas Kostbares:<\/p>\n<p>den Beleg, dass Verbesserungen tats\u00e4chlich m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Hessel f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<p>Verbesserungen entstehen nicht von selbst.<\/p>\n<p>Menschen m\u00fcssen sich einmischen.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen widersprechen.<\/p>\n<p>Sie m\u00fcssen sich emp\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aber sie d\u00fcrfen dabei selbst nicht zu dem werden, was sie bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich mein Modell:<\/p>\n<h2>WIDERSPRUCH + MENSCHENW\u00dcRDE + DIALOG<\/h2>\n<h2>\u2192 ERKENNTNIS<\/h2>\n<h2>\u2192 VERANTWORTUNG<\/h2>\n<h2>\u2192 HANDELN<\/h2>\n<h2>\u2192 VER\u00c4NDERUNG<\/h2>\n<h2>\u2192 HOFFNUNG<\/h2>\n<hr \/>\n<h1>EPILOG \u2013 TROTZ ALLEM<\/h1>\n<p>Vielleicht ist Hoffnung gerade deshalb keine Stimmung.<\/p>\n<p><strong>Sie ist eine Haltung.<\/strong><\/p>\n<p>Ich muss nicht glauben, dass die Welt gut ist.<\/p>\n<p>Ich sehe ihre Kriege.<\/p>\n<p>Ich sehe Menschenverachtung.<\/p>\n<p>Ich sehe Rassismus.<\/p>\n<p>Ich sehe Fanatismus.<\/p>\n<p>Ich sehe die Sehnsucht nach einfachen Antworten.<\/p>\n<p>Ich sehe, dass Bildung allein den Menschen nicht gut macht.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass Leiden nicht automatisch Frieden schafft.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass eine Verfassung allein eine Demokratie nicht retten kann.<\/p>\n<p>Und ich wei\u00df inzwischen auch:<\/p>\n<p><strong>Meine eigene \u00dcberzeugung ist noch keine Wahrheit.<\/strong><\/p>\n<p>Aber ich sehe auch etwas anderes.<\/p>\n<p>Menschen haben Sklaverei bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Sie haben Menschenrechte formuliert.<\/p>\n<p>Sie haben Demokratien geschaffen.<\/p>\n<p>Sie haben Krankheiten bek\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Sie haben Bildung verbreitet.<\/p>\n<p>Sie haben nach Kriegen Vers\u00f6hnung gewagt.<\/p>\n<p>Sie haben sich geirrt und neu begonnen.<\/p>\n<p>Sie haben einander widersprochen und manchmal gerade dadurch etwas Neues erkannt.<\/p>\n<p>Nichts davon war selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Nichts davon geschah automatisch.<\/p>\n<p>Alles musste von Menschen gedacht, erstritten, gelernt und verwirklicht werden.<\/p>\n<p>Deshalb ist meine Hoffnung nicht:<\/p>\n<p><strong>Der Mensch wird irgendwann gut.<\/strong><\/p>\n<p>Meine Hoffnung lautet:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Der Mensch kann erkennen, widersprechen, lernen und ver\u00e4ndern.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n<p>Hegel gibt mir daf\u00fcr den Widerspruch.<\/p>\n<p>Rosling gibt mir die Fakten.<\/p>\n<p>Hessel gibt mir die Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p>Der Humanismus gibt mir die Grenze:<\/p>\n<h2>DIE W\u00dcRDE DES ANDEREN MENSCHEN.<\/h2>\n<p>Und die Demokratie gibt uns den Raum, in dem daraus Zukunft entstehen kann.<\/p>\n<p>Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis meiner Besch\u00e4ftigung mit den Widerspr\u00fcchen:<\/p>\n<p><strong>Dass nichts automatisch besser wird, ist kein Grund zur Hoffnungslosigkeit.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Es ist der Grund, warum wir gebraucht werden.<\/strong><\/p>\n<h1>Das ist f\u00fcr mich Hoffnung.<\/h1>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER WIDERSPRUCH ALS MODELL DER HOFFNUNG Warum ich trotz allem an Ver\u00e4nderung glaube Vielleicht liegt im Widerspruch nicht nur eine Gefahr. Vielleicht liegt darin auch eine der gr\u00f6\u00dften Hoffnungen des Menschen. Wenn ich Geschichte betrachte, sehe ich immer wieder Gegens\u00e4tze: Fortschritt und Reaktion. Demokratie und Demokratieverachtung. Pazifismus und Militarismus. Emanzipation und Rassismus. Wissenschaft und Mythos. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":269358233,"featured_media":7697,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"advanced_seo_description":"","jetpack_seo_html_title":"","jetpack_seo_noindex":false,"jetpack_seo_schema_type":"","_wpcom_ai_launchpad_about_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_gallery_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_contact_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_events_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_video_page":false,"_wpcom_ai_launchpad_portfolio_piece":false,"_jetpack_hide_featured_image":false,"_jetpack_featured_image_duplicate_dismissed":0,"footnotes":""},"class_list":["post-7693","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"jetpack_likes_enabled":true,"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/PgI6ye-205","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7693","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/269358233"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7693"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7693\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7696,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7693\/revisions\/7696"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/mypapergate.net\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}