„Hoppla, wir leben! ist ein Theaterstück der Neuen Sachlichkeit des deutschen Dramatikers Ernst Toller. Die zweite Inszenierung unter der Regie des wegweisenden epischen Theaterregisseurs Erwin Piscator im Jahr 1927 war ein Meilenstein in der Geschichte des Theaters.“

Wer war Ernst Toller?
Auszug aus dem Buch der Essays
Biografie von Ernst Toller
Ernst Toller (1893–1939) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und politischer Aktivist. Geboren in Samswegen (Deutschland), wurde er zu einem der prominentesten Vertreter des expressionistischen Theaters. Als Revolutionär und Kämpfer der Räterepublik in München wurde er inhaftiert und schrieb im Gefängnis einige seiner wichtigsten Werke. Toller war auch ein scharfer Kritiker der aufkommenden faschistischen Bewegung in Deutschland. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er ins Exil nach Paris und später in die USA, wo er 1939 tragisch durch Suizid starb. Trotz seiner Bedeutung ist Toller heute weitgehend in Vergessenheit geraten.
Einleitung
Ernst Toller war nicht nur Dramatiker, sondern auch ein intellektueller Zeuge seiner Zeit. Seine Werke sind zeitkritische Dokumente, die die sozialen, politischen und kulturellen Umbrüche der Weimarer Republik und den Widerstand gegen den Faschismus widerspiegeln. Tollers Leben ist ein Beispiel für den Widerstand der Kunst gegen die Barbarei. In diesem Abschnitt werden seine wichtigsten Werke, Themen und die Bedeutung seiner Berichte und Reportagen beleuchtet.
1. Revolutionär und Kämpfer der Münchener Räterepublik
Ernst Toller war einer der Führer der Münchener Räterepublik im Jahr 1919. Er engagierte sich für die Sozialisierung der Gesellschaft und den Aufbau einer demokratischen Räterepublik nach dem Vorbild der russischen Sowjets. Nach der Niederschlagung der Räterepublik durch die Freikorps wurde Toller verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.
Im Gefängnis begann er zu schreiben. Seine Erfahrungen dort prägten seine expressionistischen Dramen, darunter das Stück Die Wandlung (1919), das als Meisterwerk des expressionistischen Theaters gilt.
2. Literarisches Werk und Themen
Die Wandlung (1919) beschreibt den inneren Wandel eines Soldaten, der durch die Grausamkeiten des Krieges zum Pazifisten wird. Das Werk reflektiert Tollers eigene Kriegserfahrungen und seine Abkehr vom Militarismus. Es ist ein Aufruf zu Frieden und Menschlichkeit.
Masse Mensch (1921) thematisiert den Konflikt zwischen kollektiver Revolution und individueller Freiheit. Es zeigt, wie die Menschen von den Mechanismen der Macht zermürbt werden.
Weitere Werke wie Hoppla, wir leben! (1927) greifen die Weimarer Gesellschaftskrise auf. Das Werk zeigt, wie die Hoffnungen der Revolution im Chaos der bürgerlichen Welt erstickt werden. Toller schildert das Scheitern der Revolutionäre angesichts des aufkommenden Faschismus.
3. Exil und Widerstand gegen den Faschismus
Nach der Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933 floh Ernst Toller nach Paris und später in die USA. Von dort aus engagierte er sich als intellektueller Kämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er hielt Reden und schrieb Essays über die Gefahren des Faschismus. Seine Bücher wurden 1933 bei der Bücherverbrennung in Deutschland verbrannt.
Im Exil geriet Toller in eine existenzielle Krise. Seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich, und die Isolation des Exils belastete ihn schwer. Seine politischen Warnungen vor Hitler wurden in den USA lange ignoriert. Verzweifelt über den Verlust seiner Heimat und die Ignoranz der Weltgemeinschaft, beging Toller 1939 in einem New Yorker Hotel Suizid.
4. Begegnungen mit Kurt Tucholsky und Stefan Zweig
Während seiner Zeit als Exilant in Paris traf Ernst Toller auf zahlreiche bekannte Schriftsteller, darunter Kurt Tucholsky und Stefan Zweig. Kurt Tucholsky, berühmt für seine politischen Satiren, verwendete mehrere Pseudonyme, darunter Ignaz Wrobel, Theobald Tiger, Peter Panter und Kaspar Hauser.
In den Pariser Salons tauschten Toller und Tucholsky Ideen über den Widerstand gegen den Faschismus aus. Sie diskutierten die Frage, wie die Macht der Worte eingesetzt werden könne, um die nationalsozialistische Propaganda zu entlarven. Toller und Tucholsky verband die Einsicht, dass die Satire eine Waffe im intellektuellen Widerstand sein könne.
Ebenfalls von Bedeutung war Tollers Begegnung mit Stefan Zweig in Salzburg. Beide teilten die Sorge um den Verlust der europäischen Kultur und sahen im Exil einen Schutzraum für die Freiheit des Denkens. Zweig und Toller korrespondierten auch schriftlich über ihre Rolle als intellektuelle Vermittler zwischen den Kulturen Europas.
Glossar – Ernst Toller
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Ernst Toller | Deutscher Dramatiker, Revolutionär und politischer Aktivist |
| Expressionismus | Kunst- und Literaturbewegung mit Fokus auf innere Emotionen |
| Räterepublik | Politisches System basierend auf Räten statt bürgerlichen Parlamenten |
| Exil | Aufenthalt eines Künstlers außerhalb seines Heimatlandes |
| Die Wandlung | Drama von Ernst Toller, beschreibt den Wandel eines Soldaten |
| Kurt Tucholsky | Deutscher Satiriker und Exilautor |
| Stefan Zweig | Österreichischer Schriftsteller, bekannt für humanistische Literatur |
Fazit
Ernst Toller ist ein unvergessener Kämpfer für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Seine Werke sind zeitlose Mahnrufe gegen Faschismus und Krieg. Als Dramatiker, Revolutionär und Exilant hat Toller den Geist der Weimarer Republik geprägt. Obwohl seine Dramen in der modernen Populärkultur weniger bekannt sind, sind ihre Botschaften universell. Seine Warnungen vor dem Faschismus und seine Forderungen nach Freiheit und Gerechtigkeit sind bis heute von brennender Aktualität. Ernst Toller war mehr als ein Dramatiker – er war ein intellektueller Vorkämpfer für die Menschlichkeit.
Glossar – Literatur & Kunst
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