Ruth Klüger – Erinnern und Zeugnis ablegen
Biografie
Ruth Klüger wurde am 30. Oktober 1931 in Wien geboren. 1942 wurde sie mit ihrer Mutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, später nach Auschwitz-Birkenau und in das KZ Christianstadt verschleppt. Sie überlebte, doch ihr Vater und ihr Halbbruder wurden ermordet. 1947 emigrierte sie in die USA, wo sie Germanistik studierte und eine akademische Karriere begann. Sie lehrte an verschiedenen Universitäten, u. a. in Princeton, Irvine (Kalifornien) und Göttingen. Klüger starb am 5. Oktober 2020 in Irvine, Kalifornien.
Werk und Themen
Internationale Bekanntheit erlangte sie mit ihrer Autobiografie „weiter leben. Eine Jugend“ (1992). In klarer Sprache schildert sie darin ihre Kindheit in Wien, ihre Deportation, das Überleben in den Lagern und den Neuanfang in den USA. Das Buch gilt heute als eines der bedeutendsten Zeugnisse der Holocaust-Literatur.
- „Unterwegs verloren. Erinnerungen“ (2008) – Fortsetzung ihrer Autobiografie über ihr Leben als Wissenschaftlerin in den USA und Deutschland.
- „Frauen lesen anders“ (1996) – Essays über Literatur und Geschlechterrollen.
- „Was Frauen schreiben“ (1996) – kritische Auseinandersetzung mit weiblichen Stimmen in der Literatur.
Bedeutung
Ruth Klüger verband persönliche Erfahrung mit wissenschaftlicher Reflexion. Sie war eine mutige, unbequeme Stimme, die auch nach 1945 die deutsche Erinnerungskultur kritisch kommentierte. Ihr Werk stellt eine Brücke zwischen Literatur, Holocaust-Zeugnis und feministischer Kritik dar.
