„Im Anfang war das Wort“ – Johannes Gutenberg
Johannes Gutenberg (um 1400–1468) gilt als einer der ersten abendländischen Erfinder, die namentlich bekannt sind. Die einzelnen Phasen seiner bahnbrechenden Entdeckung, des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, bleiben im Dunkel. Plötzlich stand sie da – vollendet wie Pallas Athene aus dem Haupte des Zeus.
Gutenberg, ein Patrizier aus Mainz, wurde zum Handwerker, weil er nicht nur eine technische Vision hatte, sondern auch Gewinnstrebens wegen. Er wollte schöne Bücher drucken, um reich zu werden. Sein Meisterwerk ist die 42-zeilige Bibel. Zynische Kulturhistoriker bemerkten dazu mit Blick auf das Johannesevangelium: „Im Anfang war das Geld.“ – Dabei konnte Gutenberg nicht ahnen, dass er arm sterben würde.
Die „Schwarze Kunst“
Die Erfindung der Buchdruckerkunst wurde anfangs keineswegs von allen begrüßt. Fürsten wie die Medici oder Herzog Federigo von Montefeltre rühmten sich, keine gedruckten Bücher zu besitzen, denn ihr Sinn stand nach Handschriften. Doch auch sie konnten den Siegeszug der neuen Kunst nicht aufhalten: Die Welt war bildungshungrig.
Humanisten hofften, durch die Veröffentlichung antiker Autoren einen Abglanz von deren Ruhm auf sich zu lenken. Antiker und abendländischer Geist verbanden sich und legten den Grundstein für neue Wissenschaften wie Philologie und Textkritik.
Peter Schöffer – Gutenbergs Schüler
Nach dem Bruch zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johann Fust führte dessen Schwiegersohn Peter Schöffer von Gernsheim die Druckerei weiter. Schöffer war ursprünglich Kalligraph in Paris, dann Mitarbeiter Gutenbergs. Er verband technische Präzision mit ästhetischem Anspruch und wurde zu einem der wichtigsten Verleger der Frühdruckzeit.
Kaum war die Technik verfeinert, begann sie zu wirken – nicht nur religiös und ästhetisch, sondern zunehmend auch politisch.
Der Türkenkalender (1455)
Unter dem Titel „Eyn manung der cristenheit widder die durken“ entstand in der Offizin (Druckwerkstatt) Johannes Gutenbergs (1400–1468) das heute älteste, unikale und vollständig erhaltene, mit beweglichen Lettern gedruckte Werk. Es handelt sich um eine politisch-religiöse Propaganda-Flugschrift in deutschen Versen.
Der Text entstand vor dem Hintergrund der Eroberung Konstantinopels am 29. Mai 1453 durch die türkischen Streitmächte unter Sultan Mehmed II. (1432–1481) und des darauffolgenden Vormarsches in Ost- und Südosteuropa. Er richtet sich als Aufruf an die europäischen Machthaber zur Verteidigung der Christenheit.
Für den Druck verwendete Gutenberg die sogenannte Donat-Kalender-Type. Im Mittelteil wird in der kalendarischen Abfolge der zwölf Monate jeweils ein geistlicher oder weltlicher Fürst zum Widerstand gegen die Türken aufgerufen. Die Rahmenverse bestehen aus Gebeten um Beistand im Kampf gegen die Osmanen und enthalten kalenderübliche Angaben zum Jahr 1455.
Die abschließenden Dezember-Verse enthalten eine aktuelle Erfolgsmeldung aus Rom zu den Kriegsereignissen, die erst am 6. Dezember 1454 in Frankfurt eintraf. Das Werk endet mit einem Neujahrswunsch auf das Jahr 1455, das der damaligen Zeitrechnung entsprechend in Mainz am ersten Weihnachtstag begann.
Das hier erhaltene Exemplar befand sich ursprünglich im Besitz des Humanisten Konrad Peutinger (1465–1547) und wurde 1806 von Bernhard Joseph Docen in den Beständen des Jesuitenkollegs Augsburg wiederentdeckt.
Quelle: Bayerische Staatsbibliothek, Abteilung Handschriften und Alte Drucke (2019)
FutureLab – Gespräch mit Johannes Gutenberg
Ein imaginäres Gespräch im FutureLab. Gutenberg tritt aus den Schatten seiner Werkstatt in Mainz und blickt mit uns in die Zukunft der Kommunikation.
Frage: Meister Gutenberg, Sie haben mit Ihrer Kunst die Welt verändert. Wie sehen Sie den Einfluss Ihrer Erfindung heute?
Gutenberg: Ich war ein Handwerker, kein Prophet. Ich wollte nur, dass Gedanken nicht in Klöstern gefangen bleiben, sondern zu vielen gelangen. Dass man mich „Begründer der Zivilisation“ nennt, erfüllt mich mit Staunen. Meine Presse war ein Werkzeug – die Revolution kam von den Menschen, die sie nutzten.
Frage: Heute leben wir in einer Zeit der elektronischen Kommunikation – Worte wandern in Lichtgeschwindigkeit über Bildschirme, Netze, in die Taschen von Milliarden. Erkennen Sie darin Ihr eigenes Erbe?
Gutenberg: Jede Epoche hat ihr Werkzeug. Meine Lettern waren aus Metall, die euren aus Einsen und Nullen. Doch das Ziel bleibt dasselbe: die Stimme des Einzelnen hörbar machen, Gedanken teilen, Wissen vermehren. Die Gefahr ist dieselbe geblieben: dass Lärm die Wahrheit übertönt.
Frage: Glauben Sie, dass die Menschen noch wissen, wie sehr Ihr Werk ihr Leben geprägt hat?
Gutenberg: Die meisten denken nicht daran. Doch jedes Buch, jede Zeitung, jede Zeile auf einem Bildschirm trägt mein Erbe in sich. Worte sind Brücken zwischen Seelen – ob auf Pergament, Papier oder im digitalen Raum. Vergesst nicht: Die Technik ist nur die Form. Der Inhalt – das, was ihr zu sagen habt – entscheidet über die Zukunft der Menschheit.

