Leibniz

Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner Zeit

Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner Zeit

Biografie

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) war Philosoph, Mathematiker, Jurist, Historiker, Diplomat und einer der letzten großen Universalgelehrten Europas. Geboren in Leipzig, studierte er Rechtswissenschaften und Philosophie, reiste durch Europa und arbeitete in Paris, Mainz, Hannover, Berlin und Wien. Leibniz war Mitbegründer der modernen Mathematik (Infinitesimalrechnung), entwickelte die Monadenlehre, verfasste die Theodizee und schuf mit dem Binärsystem ein Fundament der digitalen Moderne. Sein Werk verbindet praktische Politik mit spekulativer Philosophie und weist weit über seine Zeit hinaus.

Diese Kapitel folgen einer Hommage an Leibniz auf der Basis des Buches von Prof. Dr. Michael Kempe (*1966), Historiker und seit 2011 Leiter der Leibniz-Forschungsstelle der Akademie der Wissenschaften Göttingen, beim Leibniz-Archiv der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kapitel 1 – Paris, 1675: Fortschrittsoptimismus und rastloses Unterwegssein
  2. Kapitel 2 – Zellerfeld (Harz), 1685: Schöpfung mit Zugeständnissen – Die Welt als Aufgabe
  3. Kapitel 3 – Hannover, 1696: Die Welt im Schlaf, oder: Alles ist voller Leben
  4. Kapitel 4 – Berlin, 1703: Die Zerlegung der Welt in Einsen und Nullen
  5. Kapitel 5 – Hannover, 1710: Zwischen Geschichte und Roman
  6. Kapitel 6 – Wien, 1714: Vernetzte Isolation
  7. Kapitel 7 – Hannover, 1716: Mit Anlauf in die Zukunft
  8. Epilog – Übergänge und Vermächtnis

Kapitel 1 – Paris, 29. Oktober 1675

Fortschrittsoptimismus und rastloses Unterwegssein

Paris in den 1670er Jahren ist ein brodelndes Zentrum der Wissenschaft, Kultur und Diplomatie. Der junge Leibniz, erst Ende zwanzig, taucht in diese Welt ein – zwischen Salons, Bibliotheken, Laboratorien und politischen Aufträgen. Er begegnet Mathematikern, Naturforschern, Diplomaten, und er arbeitet rastlos an Projekten, die von der Mechanik bis zur Staatskunst reichen.

In dieser Atmosphäre reift sein Denken: Die Welt erscheint ihm als ein großes Kalkül, als etwas, das mit Logik, Zahl und Symbolik erfasst werden kann. Doch zugleich bleibt er ein Reisender, ständig auf der Suche nach neuen Anregungen, neuen Kontakten, neuen Ideen. Fortschrittsoptimismus und Unruhe kennzeichnen diesen Lebensabschnitt.

Übergang zu Kapitel 2: Aus den Pariser Träumen und der Welt als Rechnung erwächst die Frage, wie Schöpfung und Freiheit zusammengehen können.


Kapitel 2 – Zellerfeld (Harz), 11. Februar 1685

Schöpfung mit Zugeständnissen – Die Welt als Aufgabe

Zellerfeld im Harz ist im Jahr 1685 ein Zentrum des Silberbergbaus. Hier trifft der fast 39-jährige Leibniz im Auftrag des Herzogs von Hannover ein, um technische Innovationen für die Wasserhaltung und die Förderung der Gruben zu entwickeln. Der Philosoph ist zugleich Ingenieur, Mechaniker und Organisator – seine Entwürfe von Pumpen und Wasserkunstanlagen verbinden praktische Notwendigkeit mit geistiger Neugier.

Für Leibniz zeigt sich im Bergbau ein tieferer Gedanke: Die Schöpfung ist kein abgeschlossenes Werk. Gott hat die Welt nicht als perfekte Maschine hinterlassen, sondern mit Zugeständnissen – mit Widerständen, Begrenzungen, Unvollkommenheiten. Diese Mängel sind nicht Zeichen des Scheiterns, sondern der Auftrag an den Menschen, selbst schöpferisch tätig zu werden. Die Welt ist nicht fertig, sondern eine Aufgabe.

Daraus ergibt sich eine neue Würdigung der Wissenschaften und der Technik: Jede Verbesserung im Bergbau, jede Pumpe, jedes hydraulische Experiment ist Teilhabe am göttlichen Schöpfungswerk. Der Mensch ist Mitgestalter, nicht bloß Zuschauer. Fortschritt bedeutet, die Welt nicht hinzunehmen, sondern sie aktiv zum Besseren zu verändern.

Philosophisch schließt Leibniz hier an sein größeres System an: Die „beste aller möglichen Welten“ ist nicht eine ohne Mühsal, sondern diejenige, die Freiheit, Arbeit und Verantwortung ermöglicht. Nur eine Welt mit Widerständen erlaubt Wachstum und Erkenntnis. So wird die Schöpfung zur Aufgabe – für jeden Einzelnen, für die Gesellschaft, für die Menschheit.

Übergang zu Kapitel 3: Von der Aufgabe der Schöpfung führt der Weg nach Hannover. Dort erkennt Leibniz 1696 in der „Wiedererweckung der Fliegen“, dass nicht nur der Mensch die Welt fortführt, sondern dass in der Natur selbst nichts tot ist, sondern alles voller Leben – ein Gedanke, der in seine Monadenlehre mündet.


Kapitel 3 – Hannover, 13. August 1696

Die Welt im Schlaf, oder: Alles ist voller Leben

In Hannover führt Leibniz naturkundliche Beobachtungen durch. Besonders eindrucksvoll ist sein Bericht über Fliegen, die scheinbar leblos wirken, sich aber nach einer Zeit der Ruhe wieder erheben – als ob sie aus dem Tod erwachten. Dieses Naturphänomen wird für Leibniz zum Sinnbild: Die Natur kennt keinen endgültigen Stillstand, alles ist voller innerer Kraft.

Daraus entwickelt er den Gedanken, dass auch in der kleinsten Einheit – in der „Monade“ – ein Funken von Leben steckt. Nichts ist bloß Materie, alles ist beseelt, alles trägt eine Perspektive auf das Ganze in sich. Die Welt ist wie ein Orchester aus unendlich vielen Stimmen, die miteinander harmonieren, auch wenn der Mensch nur Bruchstücke hört.

Dieses Kapitel markiert eine Wende: Von der Welt als Aufgabe des Menschen hin zur Einsicht, dass die Natur selbst schöpferisch ist, voller Dynamik und Lebendigkeit. Leibniz’ Philosophie verbindet hier Biologie, Metaphysik und Theologie zu einem neuen Bild des Universums.

Übergang zu Kapitel 4: Von der Lebendigkeit der Monaden geht es zur Strenge der Zahl – in Berlin zerlegt Leibniz die Welt in Einsen und Nullen.


Kapitel 4 – Berlin, 1703

Die Zerlegung der Welt in Einsen und Nullen

In Berlin arbeitet Leibniz an seiner Vision der universalen Sprache der Vernunft. Was in Paris noch als Traum begonnen hatte, nimmt nun konkrete Gestalt an: die Binarisierung der Welt. Mit den Ziffern 0 und 1, inspiriert von chinesischen Zeichen des I Ging ebenso wie von logischen Überlegungen, entwirft er ein System, das alles ausdrücken kann – von Zahlen über Texte bis hin zu musikalischen Mustern.

Die Dualzahlen sind für Leibniz nicht nur ein mathematisches Spiel, sondern ein Bild der Schöpfung: Aus dem Nichts (0) und dem Einen (1) entfaltet sich die Vielfalt der Welt. Ordnung entsteht aus Einfachheit, Vielfalt aus Kombination. Die „Welt als Rechnung“ wird hier nicht Metapher, sondern Technik: Maschinen sollen dereinst mit diesen Symbolen arbeiten können.

Die Berliner Jahre sind geprägt von institutionellem Aufbau (Gründung der Akademie der Wissenschaften) und intellektuellem Pioniergeist. Leibniz sieht sich als Vermittler zwischen Wissenschaft, Politik und Theologie – die Nullen und Einsen sind Teil eines umfassenden Projekts, das Denken und Welt zu verbinden sucht.

Übergang zu Kapitel 5: Von der Strenge der Zahl führt der Weg zurück zur Frage nach Sinn und Gerechtigkeit: In Hannover 1710 wird Leibniz mit seiner Theodizee die große Rechtfertigung Gottes vorlegen – zwischen Geschichte und Roman, zwischen Leid und Hoffnung.


Kapitel 5 – Hannover, 19. Januar 1710

Zwischen Geschichte und Roman: Wie aus Bösem Gutes wird

Im Jahr 1710 veröffentlicht Leibniz seine Essais de Théodicée – den Versuch, Gottes Güte und Allmacht angesichts des Übels in der Welt zu rechtfertigen. Hannover ist Arbeitsort und Denkraum: hier kreuzen sich Gelehrsamkeit, Archivarbeit und die große Frage nach Sinn und Geschichte.

Was bedeutet „Theodizee“?

Der Begriff (griech. theós = Gott, díkē = Gerechtigkeit) bezeichnet die Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels. Die Leitfrage lautet: Wenn Gott gut und allmächtig ist – warum gibt es Leid, Schuld und Unvollkommenheit?

Leibniz’ Antwort in fünf Schritten

  1. Mögliche Welten: Gott überblickt unendlich viele mögliche Welten mit unterschiedlichen Mischungen aus Gutem und Bösem.
  2. Weisheit der Wahl: Als vollkommen weises und gutes Wesen wählt Gott die beste aller möglichen Welten – die mit dem besten Gesamtverhältnis von Ordnung, Güte, Einfachheit der Gesetze und Reichhaltigkeit der Wirkungen.
  3. Drei Arten des Übels: metaphysisch (Unvollkommenheit endlicher Wesen), physisch (Leiden, Naturkatastrophen), moralisch (Sünde, Schuld). Diese Übel sind in einer Welt mit Freiheit und endlichen Wesen unvermeidlich.
  4. Freiheit als Bedingung: Ohne echte Freiheit gäbe es keine Tugend – aber auch keine Schuld. Freiheit ist wertvoller als ein fehlerloses, aber bloß mechanisches Universum.
  5. Perspektive des Ganzen: Einzelne Übel bleiben real und schmerzhaft; in der Gesamtschau tragen sie dennoch zu einem größeren Guten bei, das dem begrenzten Blick oft verborgen bleibt.

Geschichte zwischen Fakt und Fiktion

Leibniz arbeitet wie ein Historiker: prüfend, ordnend, abwägend. Zugleich weiß er, dass Menschen Sinn in Erzählungen suchen – die Grenze zwischen „Geschichte“ und „Roman“ ist durch Perspektive und Auswahl mitbestimmt. Die Theodizee fordert, das Einzelereignis im Lichte des größeren Zusammenhangs zu sehen.

Einwände – und Leibniz’ Replik

  • Vorwurf naiven Optimismus: Spätere Kritiker (berühmt: Voltaire) sehen in der Formel „beste aller möglichen Welten“ eine Verharmlosung des Leids.
  • Leibniz’ Antwort: Er bestreitet nicht das reale Übel. Sein Punkt ist, dass die Gesamtordnung – unter Bedingungen der Freiheit – besser ist als jede Alternative. Das ist keine Vertröstung, sondern eine rationale Hoffnung auf Sinn im Ganzen.
„Nicht jedes Übel ist gut; doch kann es sein, dass ohne dieses Übel ein größeres Gut nicht möglich wäre.“

Übergang zu Kapitel 6: Von der Geschichtsdeutung führt der Weg nach Wien (1714), wo Leibniz seine metaphysische Vision bündelt: die Monadologie – eine Welt aus individuellen, aktiven Zentren („Monaden“), harmonisch geordnet, auch ohne direkte Wechselwirkung.


Kapitel 6 – Wien, 1714

Vernetzte Isolation: Die Monadologie

In Wien, kurz vor dem Ende seines Lebens, formuliert Leibniz eines seiner größten Werke: die Monadologie. Darin beschreibt er die Welt als ein Geflecht von unendlich vielen Monaden – geistartigen Einheiten, die keine Fenster nach außen haben und doch das Ganze spiegeln. Jede Monade ist wie ein individueller Spiegel des Universums, einzigartig und zugleich eingebettet in eine vorgegebene Harmonie.

Das Paradox: Die Monaden sind isoliert, weil sie nicht kausal aufeinander wirken – und doch vernetzt, weil Gott sie in einer „prästabilierten Harmonie“ so eingerichtet hat, dass ihre Entwicklungen übereinstimmen. Leibniz vereint hier Metaphysik, Theologie und Naturwissenschaft in einer radikalen Synthese.

Übergang zu Kapitel 7: Aus der abstrakten Ordnung der Monaden führt der Weg nach Hannover, wo Leibniz 1716 seinem Ende entgegensieht – und zugleich die Zukunft vorbereitet.


Kapitel 7 – Hannover, 1716

Mit Anlauf in die Zukunft

Leibniz stirbt 1716 in Hannover, beinahe vergessen von Hof und Politik, aber mit einem Werk, das Jahrhunderte überdauern wird. Seine letzten Jahre sind geprägt von Einsamkeit, aber auch von intellektueller Produktivität: Projekte zu Geologie, Geschichtsschreibung, Recht und Religion blieben unvollendet, aber voller Visionen.

Im Rückblick erscheint sein Leben als ein permanenter Anlauf in die Zukunft. Er hat Verbindungen geknüpft, Ideen gestreut, Systeme entworfen, die erst viel später ihre volle Wirkung entfalten sollten – von der Infinitesimalrechnung bis zum Binärcode, von der Theodizee bis zur Monadologie.

Übergang zum Epilog: Aus den verstreuten Übergängen zwischen den Kapiteln lässt sich ein Bogen schlagen: Leibniz als Reisender, Ingenieur, Philosoph, Theologe – ein Mensch zwischen Welten, der die Einheit suchte und die Vielfalt umarmte.


Epilog – Übergänge und Vermächtnis

Die Übergänge zwischen den Kapiteln zeigen, wie Leibniz’ Leben und Denken ein zusammenhängendes Geflecht bilden:

  • Aus Paris (1675) nimmt er den Fortschrittsoptimismus mit, der ihn nie ruhen ließ.
  • In Zellerfeld (1685) erkennt er die Welt als Aufgabe – Schöpfung mit Zugeständnissen.
  • In Hannover (1696) erfährt er die Lebendigkeit der Natur: Alles ist voller Leben.
  • In Berlin (1703) reduziert er die Welt auf Einsen und Nullen – und eröffnet die digitale Moderne.
  • In Hannover (1710) sucht er nach der Rechtfertigung Gottes: die Theodizee.
  • In Wien (1714) entwirft er die Monadologie – Isolation und Vernetzung in göttlicher Harmonie.
  • In Hannover (1716) endet sein Leben – doch seine Gedanken laufen in die Zukunft.

So bleibt Leibniz als einer der letzten Universalgelehrten ein Vorläufer der Moderne: Mathematiker und Philosoph, Techniker und Theologe, Diplomat und Visionär. Sein Vermächtnis ist nicht abgeschlossen – es begleitet uns weiter in einer Welt, die selbst ständig im Werden ist.

Kurz & knackig – sechs der genialsten Entdeckungen/Erfindungen von Leibniz

  • Infinitesimalrechnung (Differential & Integral)
    Unabhängig von Newton entwickelt; führt die heute noch gebräuchlichen Zeichen ∫ und d sowie Regeln wie Produkt-, Ketten- und Quotientenregel ein.
  • Binärsystem (0/1-Arithmetik)
    Systematische Darstellung und Rechnen mit Dualzahlen; theoretisches Fundament der Digitaltechnik.
  • Rechenmaschine mit Staffelwalze („Stepped Reckoner“)
    Mechanischer Rechner, der alle vier Grundrechenarten konnte; das „Leibniz-Rad“ wurde zum Klassiker des Maschinenrechnens.
  • „Vis viva“ (Frühform der Energieerhaltung)
    Einführung von m v2 als (in geeigneten Situationen) erhaltener Größe in Stoßprozessen – ein Vorläufer unseres Begriffs der kinetischen Energie.
  • Determinanten & die „Leibniz-Formel“
    Allgemeine Summenformel zur Berechnung von Determinanten – zentral für die lineare Algebra.
  • Gregory-Leibniz-Reihe für π
    Die berühmte arctan-Reihe: π/4 = 1 − 1/3 + 1/5 − 1/7 + …; von James Gregory entdeckt, von Leibniz unabhängig wiedergefunden und verbreitet.

Bonus: Monadologie (Metaphysik), Theodizee (Philosophie) und Bergbau-Innovationen (Pumpen/Wasserkünste) zeigen Leibniz’ Breite – vom Ingenieur bis zum Systemdenker.


Interview mit Gottfried Wilhelm Leibniz
Leibniz als Gesprächspartner der Gegenwart – ein fiktives Interview

Fragerunde – Leibniz im Gespräch mit der Gegenwart

Mit dem Wissen von heute können wir Leibniz neue Fragen stellen. Er bleibt ein Denker, der uns auch an der Schwelle zur digitalen Zukunft etwas zu sagen hat. Hier eine fiktive Fragerunde:

Frage: Herr Leibniz, wie würden Sie heute das Leid in einer Welt von Klimakrise und Kriegen erklären?

Leibniz: Das Übel ist eine reale Erfahrung, die niemand verharmlosen darf. Doch ich halte fest: Gott hat die beste aller möglichen Welten erschaffen – nicht weil sie frei von Leid ist, sondern weil sie Freiheit und Verantwortung ermöglicht. Es liegt an uns, das Böse nicht zu vermehren, sondern die Möglichkeiten des Guten auszuschöpfen.

Frage: Wenn jede Monade eine eigene Perspektive trägt – was bedeutet das für digitale Netzwerke und Künstliche Intelligenz?

Leibniz: Ich sehe darin eine Bestätigung meiner Idee: Jedes Subjekt spiegelt die Welt auf eigene Weise. Auch digitale Systeme bilden Perspektiven. Die Kunst wird sein, diese Stimmen in eine Harmonie zu bringen, statt sie gegeneinander spielen zu lassen.

Frage: Nochmal – Würden Sie angesichts von Umweltzerstörung und Ungleichheit noch sagen, wir leben in der besten aller möglichen Welten?

Leibniz: Ja – aber das ist keine Entschuldigung für unser Versagen. „Beste mögliche Welt“ heißt nicht vollkommene Welt, sondern jene, die Wachstum, Erkenntnis und moralische Verantwortung erlaubt. Dass wir zerstören, was uns anvertraut wurde, zeigt nicht Gottes Fehler, sondern unsere Pflicht zur Umkehr.

Frage: Was raten Sie einer Welt, die über Daten und Algorithmen regiert wird?

Leibniz: Rechnen allein genügt nicht. Der Verstand braucht Weisheit, die Zahl braucht Maß. Algorithmen sind Werkzeuge – doch es ist die Ethik, die entscheidet, ob sie die Menschheit erheben oder erniedrigen. Rechnen Sie, aber vergessen Sie das Gute nicht.

Frage: Welche Frage würden Sie selbst Yuval Harari oder anderen Zukunftsdenkern stellen?

Leibniz: Ich würde fragen: Welche Erzählung der Menschheit führt uns in eine gemeinsame Zukunft? Daten, Maschinen und Wissen sind reichlich vorhanden – doch ohne eine gemeinsame Idee vom Guten bleiben sie blind. Das ist die Aufgabe unserer Zeit.

So endet unser fiktives Gespräch mit Leibniz: als Einladung, seine Ideen nicht nur historisch zu lesen, sondern sie als Impulse für unsere eigene Sinnsuche weiterzuführen.