Leibniz – Fragen


Interview mit Gottfried Wilhelm Leibniz
Leibniz als Gesprächspartner der Gegenwart – ein fiktives Interview

Fragerunde – Leibniz im Gespräch mit der Gegenwart

Mit dem Wissen von heute können wir Leibniz neue Fragen stellen. Er bleibt ein Denker, der uns auch an der Schwelle zur digitalen Zukunft etwas zu sagen hat. Hier eine fiktive Fragerunde:

Frage: Herr Leibniz, wie würden Sie heute das Leid in einer Welt von Klimakrise und Kriegen erklären?

Leibniz: Das Übel ist eine reale Erfahrung, die niemand verharmlosen darf. Doch ich halte fest: Gott hat die beste aller möglichen Welten erschaffen – nicht weil sie frei von Leid ist, sondern weil sie Freiheit und Verantwortung ermöglicht. Es liegt an uns, das Böse nicht zu vermehren, sondern die Möglichkeiten des Guten auszuschöpfen.

Frage: Wenn jede Monade eine eigene Perspektive trägt – was bedeutet das für digitale Netzwerke und Künstliche Intelligenz?

Leibniz: Ich sehe darin eine Bestätigung meiner Idee: Jedes Subjekt spiegelt die Welt auf eigene Weise. Auch digitale Systeme bilden Perspektiven. Die Kunst wird sein, diese Stimmen in eine Harmonie zu bringen, statt sie gegeneinander spielen zu lassen.

Frage: Würden Sie angesichts von Umweltzerstörung und Ungleichheit noch sagen, wir leben in der besten aller möglichen Welten?

Leibniz: Ja – aber das ist keine Entschuldigung für unser Versagen. „Beste mögliche Welt“ heißt nicht vollkommene Welt, sondern jene, die Wachstum, Erkenntnis und moralische Verantwortung erlaubt. Dass wir zerstören, was uns anvertraut wurde, zeigt nicht Gottes Fehler, sondern unsere Pflicht zur Umkehr.

Frage: Was raten Sie einer Welt, die über Daten und Algorithmen regiert wird?

Leibniz: Rechnen allein genügt nicht. Der Verstand braucht Weisheit, die Zahl braucht Maß. Algorithmen sind Werkzeuge – doch es ist die Ethik, die entscheidet, ob sie die Menschheit erheben oder erniedrigen. Rechnen Sie, aber vergessen Sie das Gute nicht.

Frage: Welche Frage würden Sie selbst Yuval Harari oder anderen Zukunftsdenkern stellen?

Leibniz: Ich würde fragen: Welche Erzählung der Menschheit führt uns in eine gemeinsame Zukunft? Daten, Maschinen und Wissen sind reichlich vorhanden – doch ohne eine gemeinsame Idee vom Guten bleiben sie blind. Das ist die Aufgabe unserer Zeit.

So endet unser fiktives Gespräch mit Leibniz: als Einladung, seine Ideen nicht nur historisch zu lesen, sondern sie als Impulse für unsere eigene Sinnsuche weiterzuführen.