Technik & Bewusstsein · Hommage
Max Frisch – (M)Eine Hommage
Identität, Verantwortung und die Frage nach dem Ich im technischen Zeitalter
Max Frisch gehört zu den Autoren, die uns nicht loslassen. Seine Figuren – Stiller, Faber, Gantenbein, Andri, Biedermann – sind mehr als Romanpersonen: Sie sind Versuchsanordnungen, in denen ein Jahrhundert seine Fragen an sich selbst richtet. Wer bin ich? Was richte ich an? Wie ehrlich bin ich zu mir?
Im Themenfeld Technik & Bewusstsein steht Frisch als literarische Leitfigur: Er begleitet den modernen Menschen durch Rationalisierung, Beschleunigung, Rollenvielfalt – und zeigt, wie leicht wir uns in unseren eigenen Geschichten verlieren.
→ Kurzporträt als „Stimme 2“ in Nachhall & Gegenwart
Max Frisch im Zeitschleifen-Gespräch
Der Mensch im Zeitalter der Technik
Frisch misstraut der Illusion, dass Rationalität und Planung das Leben beherrschbar machen. In Homo faber verkörpert der Ingenieur Walter Faber den Glauben an Berechenbarkeit und Kontrolle. Doch je konsequenter Faber sein Leben wie ein Projekt verwaltet, desto härter trifft ihn Zufall, Schicksal und verdrängte Vergangenheit.
Technik ist kein Problem – solange wir nicht anfangen, uns selbst wie ein Projekt zu behandeln. Der Mensch bleibt unberechenbar, widersprüchlich, verletzlich.
Identität als Entwurf, nicht als Besitz
Identität entsteht bei Frisch nicht aus Substanz, sondern aus Entscheidungen. In Stiller verweigert ein Mann die Identität, die andere ihm zuschreiben. In Gantenbein probiert ein Ich verschiedene Lebensvarianten durch, als wären es Rollen in einem Theater. Frischs Literatur ist ein Labor für das Selbst.
Werke im Spiegel von Technik & Bewusstsein
Nun singen sie wieder (1945)
Trauma, Schuld und Neuanfang – ganz nah am historischen Bruch.
Stiller (1954)
Identität als öffentliche Verhandlung: Wer bestimmt, wer wir sind?
Homo faber (1957)
Die Grenzen der Berechnung: Wo Technik versagt, beginnt das Leben.
Mein Name sei Gantenbein (1964)
Identität als Spiel der Möglichkeiten – prophetisch für das digitale Zeitalter.
Biedermann und die Brandstifter (1958)
Die Parabel vom Wegsehen – heute erschreckend aktuell.
Andorra (1961)
Projektion, Rassismus, Fremdbild – und die Gewalt der Zuschreibung.
Biografie: Ein Spiel (1967)
Das Leben noch einmal – und dennoch wieder die gleichen Konflikte.
„Montauk“ – Literatur als Selbstversuch
Montauk (1975) ist eine Bilanz: ein Wochenende mit einer jungen Frau, das ein ganzes Leben aufruft. Ohne Fiktion, ohne Masken. Ein Protokoll der Ehrlichkeit – und ein Gegenentwurf zur Inszenierung unserer Zeit.
Wortkino: Max Frisch auf der Bühne
Die Fragen, die Frisch stellt, bleiben aktuell – auch im Theater.
→ Mehr dazu:
„Welt am Draht – Ein Theaterstück“ (Wortkino Theater Stuttgart)
Ein Blick von außen: Marcel Reich-Ranicki
Der Kritiker beschreibt, wie Frischs Werk unser Selbstbild herausfordert – ein Zeitdokument und eine Würdigung zugleich.
Erkenntnis
Das Ich ist kein fertiger Zustand, sondern ein Risiko.
Zwischen Technik, Rollen und Erinnerung bleibt die ehrlichste Frage: Was erzähle ich mir selbst – und was davon halte ich aus?
© Zeitschleifen – Projekttext.

