Der Zeitzeuge – Wolfgang Bossert
Gespräch mit „der Frage“ · Nachhall & Gegenwart
Kurz-Bio
Wolfgang Bossert (*1948, Nussdorf*) ist Unternehmer, Medienmanager und Autor. Über fünf Jahrzehnte leitete er Unternehmen der Druck- und Medienbranche, engagierte sich kommunalpolitisch und kulturell. Er erlebte die Bundesrepublik, die Wiedervereinigung und den Übergang ins digitale Zeitalter als Praktiker und Beobachter. Seine Texte verbinden Erfahrung mit Reflexion – zwischen Technik, Ethik und Erinnerung. Er lebt im Raum Stuttgart.
Der Zeitzeuge – Gespräch mit „der Frage“
Die Frage: Sie haben Jahrzehnte Frieden erlebt. Was ist Ihre wichtigste Lehre?
Bossert: Frieden ist kein Zustand, sondern Arbeit. Er lebt von Erinnerung und Respekt – täglich.
Die Frage: Was bedeutet Ihnen Demokratie?
Bossert: Das nie endende Gespräch. Nicht Konsens, sondern Achtung vor der anderen Meinung – getragen vom Grundgesetz.
Die Frage: Wie blicken Sie auf Technik und Digitalisierung?
Bossert: Werkzeug, kein Weltbild. Fortschritt braucht Maß – sonst verliert der Mensch sich selbst.
Die Frage: Was ist Ihr Glaube?
Bossert: An das leise Gewissen und daran, dass das Gute Bestand hat – auch ohne Beifall.
Die Frage: Ihr persönlicher Reim der Geschichte?
Bossert: Gegensätze führen nicht zur Vernichtung, sondern zur Synthese – wenn wir einander würdevoll begegnen. Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.
Die Frage: Was hat Sie persönlich zu diesem europäischen Blick geprägt?
Bossert: Zwei Dinge. Erstens: Dass de Gaulle die deutsch-französische Freundschaft angeboten hat – als Zeichen der Vergebung. Nach allem, was geschehen war. Diese Geste war größer als Politik.
Die Frage: Und das Zweite?
Bossert: Der Schüleraustausch – mit Frankreich und England. Später auch das Sprechen der Sprachen: Englisch, Französisch, ja Italienisch und Spanisch. Ich konnte Menschen kennenlernen. Und so habe ich mich immer schon als Europäer gefühlt – weil Europa für mich nie nur Idee war, sondern Begegnung.
Erkenntnis
„Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.“
Aus Gegensätzen entsteht Neues – sofern wir einander mit Würde begegnen.
