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Judentum Idee und Lehre

Eine kurze Einführung

Das Judentum gehört zu den ältesten monotheistischen Religionen der Welt.
Im Zentrum steht der Glaube an den einen Gott, der mit den Menschen einen Bund schließt.
Dieser Bund ist verbunden mit Verantwortung, Gerechtigkeit, Erinnerung und Hoffnung.

Das Judentum ist zugleich Religion, Kultur, Geschichte und Lebensform.
Es ist die gemeinsame geistige Wurzel des Christentums und des Islam.
Viele Grundgedanken, die später auch in anderen Religionen und im Humanismus weiterwirken,
haben hier eine frühe und prägende Gestalt gefunden.

Die Entstehung

Die Anfänge des Judentums werden mit den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob verbunden.
Abraham gilt als derjenige, der dem Ruf des einen Gottes folgt.
Mit ihm beginnt nach biblischer Überlieferung die Geschichte des Bundes zwischen Gott und seinem Volk.

Eine zentrale Gestalt ist Mose.
Mit ihm verbindet sich der Auszug aus Ägypten, die Befreiung aus der Knechtschaft und der Empfang der Tora am Sinai.
Diese Erzählung ist bis heute grundlegend:
Gott ist nicht nur Schöpfer, sondern auch Befreier.

Die Tora

Die Tora, die fünf Bücher Mose, ist die wichtigste Schrift des Judentums.
Sie enthält Erzählungen, Gebote, Weisungen und ethische Grundsätze.
Zusammen mit den Propheten und den Schriften bildet sie den Tanach, die hebräische Bibel.

Die Tora ist nicht nur ein religiöser Text.
Sie ist Wegweisung für ein gerechtes Leben.
Glaube und Handeln gehören im Judentum eng zusammen.

Grundgedanken der jüdischen Lehre

Ein Gott

Das Judentum bekennt den einen Gott.
Im berühmten Gebet „Schma Israel“ heißt es:
„Höre Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer.“

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit, auf Hebräisch Zedek, gehört zu den zentralen Werten.
Der Mensch soll nicht nur fromm sein, sondern gerecht handeln.
Besonders geschützt werden sollen Arme, Fremde, Witwen und Waisen.

Barmherzigkeit

Mitgefühl und Barmherzigkeit sind wesentliche Bestandteile jüdischer Ethik.
Der Mensch soll den anderen nicht übersehen, sondern ihm helfen.

Verantwortung

Der Mensch trägt Verantwortung für sich selbst, für seine Mitmenschen und für die Welt.
Der Gedanke des Tikkun Olam, der „Heilung“ oder „Verbesserung der Welt“,
beschreibt diese Aufgabe besonders eindrucksvoll.

Bildung

Lernen besitzt im Judentum einen hohen Rang.
Die Auslegung der Schrift, das Fragen, Diskutieren und Weiterdenken gehören zur religiösen Tradition.
Glaube ist nicht blindes Nachsprechen, sondern lebendige Auseinandersetzung.

Frieden

Das hebräische Wort Schalom bedeutet mehr als die Abwesenheit von Krieg.
Es meint Frieden, Ganzheit, Heilsein und Versöhnung.

Die Zehn Gebote

Die Zehn Gebote bilden eine wichtige ethische Grundlage.
Sie verbinden die Beziehung zu Gott mit der Verantwortung gegenüber den Menschen.

  1. Ich bin der Herr, dein Gott.
  2. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
  3. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen.
  4. Gedenke des Sabbats und halte ihn heilig.
  5. Ehre Vater und Mutter.
  6. Du sollst nicht töten.
  7. Du sollst nicht ehebrechen.
  8. Du sollst nicht stehlen.
  9. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
  10. Du sollst nicht begehren, was deinem Nächsten gehört.

Feste und Lebensweise

Das jüdische Jahr ist reich an Festen.
Pessach erinnert an die Befreiung aus Ägypten.
Schawuot steht mit der Gabe der Tora in Verbindung.
Sukkot erinnert an die Wanderung durch die Wüste.
Rosch ha-Schana und Jom Kippur führen zur Besinnung, Umkehr und Versöhnung.
Chanukka erinnert an Hoffnung und religiöse Freiheit.

Der Sabbat ist ein besonderer Tag der Ruhe.
Er unterbricht den Alltag und erinnert daran, dass der Mensch mehr ist als seine Arbeit.

Judentum und Humanität

Das Judentum ist eine Religion der Erinnerung und der Verantwortung.
Es erinnert an Befreiung, Bund, Gesetz und Gerechtigkeit.
Es fordert den Menschen auf, nicht gleichgültig zu bleiben,
sondern für ein Leben in Würde, Mitgefühl und Verantwortung einzutreten.

Gerade deshalb gehört das Judentum zu den großen geistigen Quellen unserer Kultur.
Seine Lehre von der Würde des Menschen, von Gerechtigkeit, Bildung und Frieden
bleibt auch für eine moderne demokratische Gesellschaft von bleibender Bedeutung.


Judentum – Idee und Lehre: ein Glaube an den einen Gott,
eine Ethik der Verantwortung und eine Kultur des Lernens.