Authentizität, Transparenz und Verantwortung im semantischen Dialog
Meine historischen Dialoge entstehen mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. Die Fragen, die ich stelle, sind meine eigenen. Sie entstehen aus meiner Beschäftigung mit Geschichte und aus meinem Versuch, die Entscheidungen, Widersprüche und Erfahrungen historischer Persönlichkeiten aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu verstehen.
Die Antworten sind keine erfundenen Zitate und werden von mir auch nicht als solche ausgegeben.
Sie sind semantische Rekonstruktionen.
Wenn ich Bertolt Brecht, Thomas Mann, Friedrich Ebert oder Alfred Rosenberg eine Frage stelle, versucht die Künstliche Intelligenz, eine Antwort aus den verfügbaren Bedeutungszusammenhängen zu entwickeln: aus überlieferten Werken, Äußerungen, biografischem und historischem Wissen sowie den geistigen und politischen Zusammenhängen ihrer Zeit.
Das bedeutet:
Ich behaupte nicht: „Brecht hat das gesagt.“
Ich frage:
„Was hätte Brecht auf diese Frage plausiblerweise antworten können, wenn wir sein überliefertes Denken zugrunde legen?“
Genau darin liegt für mich die Authentizität des Verfahrens.
Authentizität bedeutet hier nicht, eine historische Quelle vorzutäuschen. Im Gegenteil: Authentizität beginnt mit der Offenlegung, wie der Text entstanden ist.
Meine Verantwortung als Autor
Die KI nimmt mir die Verantwortung nicht ab.
Ich wähle die Personen aus.
Ich stelle die Fragen.
Ich bestimme den historischen Zusammenhang.
Ich prüfe, ob eine Antwort zum Wissenshorizont der jeweiligen Person passt.
Ich korrigiere, wenn historische Tatsachen verletzt werden.
Und ich entscheide schließlich, was ich veröffentliche.
Deshalb trage ich als Autor die Verantwortung für den veröffentlichten Dialog.
Und wenn die KI mir einfach recht gibt?
Gerade diese Frage halte ich für berechtigt.
Eine KI kennt den Verlauf eines Gesprächs und kann deshalb meine Gedanken, Begriffe und Fragestellungen aufnehmen. Daraus entsteht die Gefahr, dass eine Antwort zwar überzeugend klingt, aber meine eigene Sicht lediglich bestätigt.
Deshalb gehört der Widerspruch zur Methode.
Eine gute Antwort muss nicht meiner Erwartung entsprechen. Wenn meine Voraussetzung historisch falsch ist, muss sie korrigiert werden. Wenn verschiedene Deutungen möglich sind, sollen sie sichtbar werden.
Bertolt Brecht wäre dafür vermutlich der ideale Prüfstein.
Er würde wahrscheinlich fragen:
BRECHT:
„Wollen Sie von Ihrer Maschine erfahren, was Sie noch nicht wissen – oder wollen Sie hören, dass Sie recht haben?“
WOLFGANG:
„Ich will erkennen, wo ich mich irren könnte.“
BRECHT:
„Dann lassen Sie den Widerspruch zu.“
Genau das tue ich.
Mein Versprechen an den Leser
Meine Fragen sind authentisch.
Historische Zitate werden nicht erfunden.
Fiktive Antworten werden als semantische Rekonstruktionen kenntlich gemacht.
Historische Fakten und rekonstruierter Dialog werden voneinander unterschieden.
Widerspruch und Korrektur sind ausdrücklich Teil meiner Methode.
Für Auswahl, Interpretation und Veröffentlichung übernehme ich als Autor die Verantwortung.
Ich bitte meine Leser deshalb nicht um blindes Vertrauen in Künstliche Intelligenz.
Ich bitte sie um Vertrauen in ein transparentes Verfahren.
Und ich lade sie ein, selbst zu prüfen und zu widersprechen.
Denn Authentizität bedeutet für mich nicht, unfehlbar zu sein.
Authentizität bedeutet, nichts anderes vorzugeben, als das, was es ist.
