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Waldsteins Brief an Beethoven

„Mozarts Geist aus Haydns Händen“

Am 29. Oktober 1792, kurz bevor der 21-jährige Ludwig van Beethoven Bonn verließ und nach Wien ging, schrieb ihm sein Freund und Förderer Graf Ferdinand von Waldstein (1762–1823) einen bemerkenswerten Eintrag ins Stammbuch.

Beethoven sollte in Wien bei Joseph Haydn studieren. Mozart war erst wenige Monate zuvor gestorben. Waldstein verband deshalb die drei Namen in einem geradezu prophetischen Satz:

„Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydn’s Händen.“

Waldstein erkannte früh Beethovens außergewöhnliches Talent. Seine Worte waren Ermutigung und Erwartung zugleich: Beethoven sollte das musikalische Erbe Mozarts aufnehmen und unter Haydns Anleitung weiterentwickeln.

Im Rückblick wirkt der kurze handschriftliche Eintrag wie ein Moment, in dem Musikgeschichte vorausgeahnt wurde. Beethoven erfüllte die Hoffnung seines Förderers und wurde selbst zu einem der bedeutendsten Komponisten Europas.

Die Freundschaft hinterließ noch eine weitere berühmte Spur: Beethoven widmete Waldstein später seine Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53, die bis heute als „Waldstein-Sonate“ bekannt ist.

Der Brief als Kommunikation

Waldsteins wenige Zeilen zeigen, was ein persönlicher Brief vermag: Er übermittelt nicht nur eine Nachricht, sondern Vertrauen, Ermutigung und eine Vorstellung von Zukunft.

Manche Briefe berichten, was gewesen ist. Dieser Brief sagt einem jungen Menschen, was aus ihm werden könnte.

Historischer Wortlaut

Lieber Beethoven!

Sie reisen itzt nach Wien zur Erfüllung ihrer so lange
bestrittenen Wünsche. Mozart’s Genius trauert noch
und beweinet den Tod seines Zöglinges. Bey dem uner-
schöpflichen Haydn fand er Zuflucht, aber keine Beschäf-
tigung; durch ihn wünscht er noch einmal mit jemandem
vereinigt zu werden. Durch ununterbrochenen Fleiß
erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydn’s Händen.

Bonn d. 29ten Oct. 792.

Ihr wahrer Freund
Waldstein

Dabei steht „792“ selbstverständlich für 1792.

Wer war Waldstein?

Ferdinand von Waldstein war Graf Ferdinand Ernst Joseph Gabriel von Waldstein und Wartenberg (1762–1823), ein böhmischer Adeliger, Musiker und Kunstmäzen – und vor allem ein wichtiger früher Förderer Ludwig van Beethovens.

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Waldstein kam 1788 nach Bonn und gehörte zum Umfeld des kurkölnischen Hofes. Dort lernte er den jungen Beethoven kennen. Er erkannte dessen außergewöhnliches Talent früh, unterstützte ihn und wurde zu einem seiner einflussreichen Förderer.

Besonders wichtig wurde das Jahr 1792. Beethoven verließ Bonn, um nach Wien zu gehen und bei Joseph Haydn zu studieren. In Beethovens Stammbuch schrieb Waldstein am 29. Oktober jene berühmten Worte, die wir gerade gelesen haben:

„Durch ununterbrochenen Fleiß erhalten Sie: Mozart’s Geist aus Haydn’s Händen.“

Das Bemerkenswerte daran: Waldstein stellte den gerade einmal 21-jährigen Beethoven gedanklich bereits in eine Traditionslinie:

Mozart → Haydn → Beethoven.

Das war eine enorme Erwartung – und rückblickend geradezu prophetisch.

Waldstein blieb auch später mit Beethoven verbunden. Beethoven widmete ihm seine 1804 vollendete Klaviersonate Nr. 21 C-Dur op. 53. Deshalb kennen wir sie heute schlicht als die „Waldstein-Sonate“.

Waldstein ist für mich deshalb interessant: Er war nicht einfach irgendein Briefschreiber. Er gehörte zu jenen Menschen, die Talent erkannten, förderten und durch persönliche Kommunikation Mut machten.

© Wolfgang Bossert · mypapergate.net
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