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Menschenrechte – Das Dokument

Im Dienst des Weltfriedens
CHARTA DER VEREINTEN NATIONEN
Am Ende von Weltkatastrophen, die von Menschen verursacht wurden, treffen sich immer alle Beteiligten mit dem festen Vorsatz, den Ausbruch einer neuen Katastrophe mit allen Mitteln zu verhindern.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatte dieser gute Wille zur Gründung des Völkerbundes geführt. „Die hohen vertragschließenden Parteien“
traten zusammen „zur Förderung der Zusammenarbeit unter den Nationen und Gewährleistung des Friedens sowie der internationalen Sicherheit“. Die Absicht war löblich, doch schwer realisierbar; denn alle übersahen, daß Kriege sich durch den Verfall der internationalen Moral ankündigen, daß sie Folgeerscheinungen sind des allzu großen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gefälles innerhalb der Völkerfamilie.

1945 stand die Welt wieder vor dem Chaos und hatte die Chance eines Neubeginns. Wieder waren alle Betroffenen voll guten Willens. Sieger und Besiegte begrüßten die Gründung der Vereinten Nationen am 26. Juni 1945. Die Vertragschließenden schienen nunmehr gewillt, alte Fehler zu vermeiden. An die Stelle der vertragschließenden „Parteien“ des Völkerbundes waren nunmehr die „Völker“ getreten. Darum heißt es in der Präambel zur Charta der Vereinten Nationen:

„Wir, die Völker der Vereinten Nationen, sind entschlossen, kommende Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, den Glauben an die Grundrechte der Menschen zu bekunden, Gerechtigkeit und Achtung vor internationalen Verpflichtungen zu schaffen, den sozialen Fortschritt zu fördern und bessere Lebensbedingungen zu schaffen.“ Die Ziele – Herrschaft des Rechts, Freiheit für alle Völker und Menschen, Erhaltung des Friedens, Zusammenwirken aller Staaten zur Förderung der Wohlfahrt aller und eines jeden einzelnen, Errichtung wirksamer Institutionen zur Gewährleistung der Sicherheit auch der Schwachen – sind trotz ihres ethischen Sinngehalts keineswegs utopisch. Wieweit Politik und Ethik, schöne Theorie und nüchterne Praxis miteinander in Einklang zu bringen sind, bleibt immer der Gewissensentscheidung derjenigen überlassen, die ihr Amt zwingt, zwischen beiden zu wählen.

Anmerkung
Die beiden wohl wichtigsten Autoren der Erklärung, die ohne Gegenstimme verabschiedet wurde, waren mit Charles Malik ein christlicher Araber aus dem Libanon und mit Peng-Chun Chang ein chinesischer Philosoph und Diplomat, der Konfuzius verehrte. Und die Erklärung selbst war somit auch eine Verbeugung vor allen Weltreligionen und Weisheitslehren, welche die Heiligkeit des Menschen, die Liebe und die Achtung vor sich und dem anderen predigen.
Beaux Art Verlag – Zeichen ihrer Zeit, S 103

© Wolfgang Bossert · mypapergate.net
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